Pharmaindustrie und Krankenkassen streiten über Medikamenten-Notvorrat in Europa

Lina Huber
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Ein Plakat mit Text über Preisunterschiede von Arzneimitteln im Jahr 2022, darunter ein paar Flaschen und eine Spritze.Lina Huber

Pharmaindustrie und Krankenkassen streiten über Medikamenten-Notvorrat in Europa

Auf der Jahreskonferenz des Handelsblatt entbrannte eine hitzige Debatte zwischen Pharmaführern und Krankenversicherern über die Widerstandsfähigkeit der Arzneimittelversorgung in Europa. Vertreter beider Seiten gerieten in scharfen Streit über die Bevorratung, Produktionsverlagerungen und die Abhängigkeit von ausländischen Märkten. Die Diskussionen offenbarten tiefe Gräben darin, wie die künftige Versorgung mit Medikamenten gesichert werden soll.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, kritisierte die aktuelle Regelung, wonach ein sechsmonatiger Vorrat vorgehalten werden muss, als unzureichend. Er forderte klarere Planungsszenarien und warnte davor, die logistische Widerstandsfähigkeit als gelöstes Problem zu betrachten. Seine Forderung nach mehr Produktion in Europa fand in der Branche breiten Anklang.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BPI), argumentierte, dass die Bevorratung von Generika unpraktikabel sei. Stattdessen betonte er, dass die Gesundheitspolitik mit industriellen und sicherheitspolitischen Prioritäten in Einklang gebracht werden müsse. Zudem warnte er, dass die Verwundbarkeiten Europas unterschätzt würden, und bestand darauf, dass Investitionen in Forschung und Produktion unverzichtbar seien.

Thomas Weigold, der bei Sandoz/Hexal die Deutschland-Geschäfte leitet, bezeichnete das vorgeschlagene Freihandelsabkommen mit Indien als 'abwegig'. Er verwies darauf, dass Generika-Hersteller bereits Teil der Lösung für widerstandsfähige Lieferketten seien. Unterdessen hinterfragte Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse (TK), ob die Umkehr der Globalisierung die richtige Antwort sei – das Indien-Abkommen begrüßte er jedoch.

Die deutsche Regierung setzt auf EU-weite Maßnahmen wie den Critical Medicines Act (CMA), der die Produktion fördert, Lieferketten diversifiziert und Zulassungen beschleunigt. Auf nationaler Ebene werden die Nationale Pharmastrategie fortgeführt und ein Gesundheitssicherstellungsgesetz vorbereitet, um Bevorratung und Produktionskapazitäten auszubauen. Die Versicherer widersprachen jedoch den Branchenbedenken und verwiesen darauf, dass die Bevorratungsziele bereits erreicht seien.

Führende Vertreter der Industrie warnten erneut vor dringend notwendigen Investitionen, um die Abhängigkeit von Drittstaaten – insbesondere bei Antibiotika und Generika – zu verringern. Weigold plädierte zudem dafür, lebenswichtige Arzneimittel in den deutschen Sicherheitsrahmen zu integrieren.

Die Konferenz legte die klaren Spannungen zwischen Versicherern und Pharmaunternehmen bei der Arzneimittelsicherheit offen. Während die Regierung EU-geführte Reformen und selektive Partnerschaften unterstützt, fordern Branchenvertreter schnellere Schritte bei Produktion und Investitionen. Die Debatte zeigte, wie komplex es ist, Kosten, Widerstandsfähigkeit und globalen Handel in der Medikamentenversorgung in Einklang zu bringen.

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