Jonathan Davids radikales Theaterstück spaltet Publikum und Kritik gleichermaßen

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Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer vollen Theaterkulisse mit stehenden, sitzenden und liegenden Menschen und einer Person auf der rechten Seite, die ein Schild hält, auf dem 'Die letzte Szene des Triumphs der Reform oder der Fall der Boro Mongers' steht.Admin User

Jonathan Davids radikales Theaterstück spaltet Publikum und Kritik gleichermaßen

Ein mutiges neues Theaterstück entfacht die Debatte, für wen das theater berlin eigentlich gemacht ist.Kein Erfolgsmärchen, geschrieben von jonathan david, feierte in Hamburg Premiere – mit einer klaren Mission: Arbeitsklassen-Stimmen auf die Bühne zu bringen. Die Aufführung endete mit stehenden Ovationen von 700 Menschen, doch nicht alle waren von diesem radikalen Ansatz begeistert.

Die Premiere zog ein junges, lebendiges Publikum an – weit entfernt vom klassischen theaterbesucher. David, der Autor, argumentiert seit Langem, dass theater die Arbeiterklasse durch hohe Ticketpreise, elitäre Stückauswahlen und unsichtbare Barrieren ausschließt. Sein Werk setzt dem etwas entgegen und will das Publikum "proletarisieren" sowie Kunst schaffen, die deren Lebensrealität widerspiegelt.

Auf der Bühne war die Botschaft unmissverständlich. Der Regisseur brach mit Konventionen, indem er das gesamte theaterpersonal – Techniker, Bühnenarbeiter und alle anderen – auf die Bühne einlud. Diese symbolträchtige Geste war eine Herausforderung an die alte Hierarchie der theaterkultur.

Die Reaktionen fielen gespalten aus. Während das Publikum begeistert klatschte und jubelte, verurteilte ein Kritiker der Welt die Produktion als Umfunktionierung des theaters zu einem "kulturellen Zentrum des Proletariats". Doch Davids Vision knüpft an eine lange Tradition des politischen theaters an. Schon vor einem Jahrhundert forderte Friedrich Wolf in seinem Manifest Kunst ist eine Waffe (1928), dass theater dem Volk und nicht der Elite dienen solle. Frühere Bewegungen wie Erwin Piscators Proletarischestheater* in Berlin um 1920 ebneten den Weg für solche radikalen Aufführungen.

Für David ist Kunst nicht nur Unterhaltung – sie soll das Publikum ihre Realität spüren lassen und die Frage aufwerfen: Warum kann es nicht anders sein?

Die Hamburger Premiere von Kein Erfolgsmärchen hat alte Fragen zu Klasse und Kultur neu entfacht. Die begeisterte Aufnahme durch das Publikum steht im scharfen Kontrast zur Kritik der Traditionalisten. Ob dies einen dauerhaften Wandel im theater einläutet – oder nur ein flüchtiger Moment bleibt –, wird sich noch zeigen.

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