Wie das ZDF Magazin Royale versehentlich einen rechtsextremen YouTuber berühmt machte
Charlotte JägerWie das ZDF Magazin Royale versehentlich einen rechtsextremen YouTuber berühmt machte
Eine aktuelle Untersuchung des ZDF Magazin Royale und Zeit Online zum rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt hat für Aufsehen gesorgt. Statt den Kanal zu entlarven, verhalf die Sendung ihm jedoch unfreiwillig zu größerer Bekanntheit. Die Abonnentenzahlen stiegen von 220.000 auf über 384.000 – und das bis zum 13. Mai 2025.
Kritiker werfen den Journalisten vor, es an konkreten Belegen für extremistische Inhalte des Kanals fehlen zu lassen. Der Betreiber verdient unterdessen weiterhin an Werbeeinnahmen, die durch den Zuwachs weiter steigen dürften.
Die von Jan Böhmermann und dem Journalisten Christian Fuchs geführte Recherche sollte die Identität und Aktivitäten des Clownswelt-Betreibers aufdecken. Doch der Beitrag konnte keine spezifischen Beispiele für rechtsextreme oder AfD-nahe Äußerungen des YouTubers vorlegen. Stattdessen kritisierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), es gebe keine substanzielle Beweislage dafür, dass der Kanal "gefährlich" oder "rechtsextrem" sei.
Auch rechtliche Bedenken wurden laut. Der Medienanwalt Christian Solmecke verwies darauf, dass Böhmermann und Zeit Online durch die Veröffentlichung persönlicher Daten des YouTubers gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben könnten. Fuchs verteidigte die Recherche mit dem Argument, nur ein Prozent der gesammelten Informationen seien veröffentlicht worden, um die Privatsphäre zu schützen.
Die Gegenreaktionen beschränkten sich nicht auf juristische Debatten. Nutzer in sozialen Medien forderten als Vergeltung die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs. Zudem wurde öffentlichen Rundfunkanstalten wie dem ZDF vorgeworfen, mit ihren Formaten die politische Polarisierung zu befeuern.
Die unbeabsichtigte Folge der Untersuchung war ein deutlicher Anstieg der Abonnentenzahlen von Clownswelt. Vor der Ausstrahlung zählte der Kanal 220.000 Follower – bis Mitte Mai 2025 stieg die Zahl auf 384.000, was die Werbeeinnahmen des Betreibers weiter steigert.
Historisch betrachtet haben linksextreme antifaschistische Gruppen ähnliche Methoden angewandt, um Rechtsextreme zu enttarnen. In diesem Fall jedoch schien der Ansatz die Position des Ziels zu stärken, statt sie zu schwächen.
Der Beitrag des ZDF Magazin Royale konnte seine Vorwürfe nicht ausreichend belegen und verhalf Clownswelt stattdessen zu größerer Reichweite. Der YouTuber profitiert nun von einem größeren Publikum und höheren Einnahmen. Rechtliche und ethische Fragen zu den Methoden der Recherche bleiben ungeklärt, während öffentliche Rundfunkanstalten für ihre Rolle bei der Verschärfung politischer Spannungen in der Kritik stehen.






