Untertage-Leitungsbau zwischen Klimawandel und Infrastruktur-Druck: Wie Deutschland seine Netze zukunftssicher macht

Niklas Müller
Niklas Müller
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Ein Schwarz-Weiß-Foto eines großen Haufens von Betonrohren auf dem Boden mit ein paar Gebäuden im Hintergrund.Niklas Müller

Untertage-Leitungsbau zwischen Klimawandel und Infrastruktur-Druck: Wie Deutschland seine Netze zukunftssicher macht

Zweitägiges Branchenforum: Untertage-Leitungsbau im Spannungsfeld von Klimawandel und Infrastrukturwandel

Über 120 Fachleute und 450 Aussteller haben sich auf einem zweitägigen Branchenforum zum Untertage-Leitungsbau ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und zukünftigen Anforderungen an die Infrastruktur in den Bereichen Energie, Wasser und digitale Netze. Zu den zentralen Themen zählten Nachhaltigkeit, technologische Innovationen sowie der wachsende Druck durch Klimawandel und geopolitische Verschiebungen.

Die unterirdische Leitungsinfrastruktur in den Bundesländern Deutschlands verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren einen Nutzeranstieg von 20 bis 30 Prozent. Dieser Schub ist vor allem auf die Energiewende zurückzuführen – Erneuerbare decken mittlerweile 52 Prozent des Strombedarfs –, aber auch auf den digitalen Ausbau: Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnung (FTTH) erreichen mittlerweile 15 Millionen Haushalte. Der Lieferstopp für russisches Gas 2022 und die Umstellung auf Flüssiggas-Importe haben die Netze zusätzlich belastet, insbesondere die Nord-Süd-Stromtrassen und Gasleitungen, wie aus Berichten der Bundesnetzagentur hervorgeht.

Die Experten auf dem Forum betonten die Notwendigkeit nachhaltiger und anpassungsfähiger Lösungen. Dr. Bernd Wagner erläuterte die Rolle der Fernwärme auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045, während Professorin Katharina Teuber auf Innovation, sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen und geopolitische Faktoren als zentrale Treiber für die Leitungsentwicklung verwies. Mike Böge unterstrich, wie wichtig es sei, die bestehende Infrastruktur mit zukünftigen Anforderungen in Einklang zu bringen – besonders vor dem Hintergrund von Klimawandel, Energiewende und Digitalisierung, die die Nachfrage grundlegend verändern.

Auch Sicherheitsfragen standen im Fokus. Dr. Wolf Merkel warnte vor zunehmenden physischen und cyberbasierten Bedrohungen für die zivile Infrastruktur, darunter Wasserversorgungssysteme, und forderte eine engere Zusammenarbeit. Heiko Fastje, Netzbetreiber im Verteilnetzbereich, sprach über Deutschlands Umstieg auf erneuerbare Gase und die dringende Modernisierung der Netze, um langfristige Resilienz zu gewährleisten.

Das Forum bot sechs parallele Vortragsreihen sowie eine Fachausstellung. Branchenvertreter riefen zu einer sektorenübergreifenden Zusammenarbeit auf, um ganzheitliche Lösungen für den Leitungs- und Kanalbau in der Deutschland-Karte zu entwickeln. Diskutiert wurden zudem Themen der städtischen Wasserwirtschaft, wo marode Abwassersysteme und Wasserknappheit in Dürreperioden weiterhin akute Probleme darstellen.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie dringend der Infrastrukturausbau vorangetrieben werden muss, um den wachsenden Anforderungen in Energie, Digitalisierung und Sicherheit gerecht zu werden. Die Experten waren sich einig: Nur durch Kooperation, Innovation und vorausschauende Planung lassen sich Kapazitätsengpässe überwinden und Deutschlands Netze zukunftsfest gestalten. Die Ergebnisse des Forums dürften in den kommenden Jahren Politik und Industriestrategien prägen.