New Yorks legendärer Aprilscherz-Umzug bleibt erneut aus – und die Medien fallen wieder darauf herein
Lina HuberNew Yorks legendärer Aprilscherz-Umzug bleibt erneut aus – und die Medien fallen wieder darauf herein
New Yorks jährlicher Aprilscherz-Umzug blieb auch dieses Jahr aus – trotz wartender Journalisten und Marschkapellen
Der alljährliche Aprilscherz-Umzug in New York City fand auch in diesem Jahr nicht statt – obwohl sich Medienvertreter und Blasorchester in Erwartung des Spektakels versammelt hatten. Die seit 1986 vom Satiriker Joey Skaggs organisierte Veranstaltung hat es sich zur Tradition gemacht, Reporter dazu zu bringen, über ein nicht existierendes Großereignis zu berichten. In diesem Jahr sollte es unter anderem einen Präsidial-Darsteller und die Vorführung eines Melania-Trump-Mockumentary geben.
Skaggs verbringt Monate damit, aufwendige Pressemitteilungen zu verfassen, um Journalisten in die Falle zu locken. Er sammelt Zeitungsausschnitte, spinnt daraus absurde Geschichten und testet, wie leicht die Öffentlichkeit sie glaubt. Frühere Themen persiflierten politische Figuren – etwa einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb – oder schürten Ängste, wie eine Y2K-Apokalypse-Party.
Die diesjährige Pressemitteilung kündigte einen Umzug entlang der Fifth Avenue an, der "das Recht der Öffentlichkeit, über die Obrigkeit zu lachen", feiern sollte. Angeführt werden sollte er von einem Präsidenten-Imitator, gefolgt von einer Lesung geschwärzter Namen aus den Jeffrey-Epstein-Akten. Doch wie jedes Jahr blieb der Umzug aus.
Skaggs begann seine Karriere als ernsthafter Künstler, bevor er sich der Satire zuwandte. Mit seinen Streichen stellt er Autoritäten und die Glaubwürdigkeit der Medien infrage. Seine Tradition erinnert an andere berühmte Aprilscherze, wie die Sports-Illustrated-Geschichte von 1985 über einen fiktiven Mets-Werfer, der angeblich 277 km/h werfen konnte. 1998 veranstaltete sogar David Bowie eine Party für einen erfundenen Schriftsteller namens William Boyd – Teil eines Verlags-Schwindels.
Im Laufe der Jahre sind renommierte Medien wie CNN, die New York Times und lokale Nachrichtensender auf Skaggs' Tricks hereingefallen. Zwar sind die genauen Teilnehmerzahlen für 2026 noch unklar, doch einmal mehr trafen Reporter und Schulkapellen auf leere Straßen ein.
Der ausgebliebene Umzug hinterlässt eine weitere Runde getäuschter Medien und Künstler, die Skaggs' Satire auf den Leim gegangen sind. Seine Streiche zeigen, wie leicht sich falsche Narrative verbreiten – selbst unter erfahrenen Journalisten. Die nun schon vier Jahrzehnte alte Tradition gibt keine Anzeichen, an Schwung zu verlieren.






