Frauenfeindlichkeit auf dem Vormarsch: Warum #MeToo an Wirkung verliert
Lina HuberFrauenfeindlichkeit auf dem Vormarsch: Warum #MeToo an Wirkung verliert
Feindlichkeit gegen Frauen breitet sich in sozialen Medien, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben aus. Zwar betreiben nicht alle Männer solches Verhalten, doch Berichte über Missbrauch, herablassende Behandlung und sexistische Einstellungen bleiben weit verbreitet. Viele fürchten nun, dass die Fortschritte von Bewegungen wie #MeToo wieder zunichtegemacht werden.
Die #MeToo-Bewegung lenkte einst die Aufmerksamkeit auf systemische Übergriffe – doch ihre Wirkung schwindet. Mächtige Männer behandeln Frauen nach wie vor unangemessen, oft ohne echte Konsequenzen. Sexistische Äußerungen, abwertendes Verhalten und digitale Belästigung halten an – selten folgen ernsthafte Strafen.
In den vergangenen fünf Jahren haben einflussreiche Stimmen der sogenannten "Männlichkeitsszene" (engl. manosphere) extreme Ansichten verbreitet. Manche fordern offen, Frauen das Wahlrecht zu entziehen. Andere propagieren eine übersteigerte Männlichkeit und prägen mit verzerrten Idealen die Einstellungen junger Männer. Prominente Namen wie Andrew Tate, der 2022 wegen Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung festgenommen wurde, oder Milo Yiannopoulos, der wiederholt wegen Hassrede von Plattformen verbannt wurde, stehen zwar unter rechtlicher Beobachtung – doch die meisten Verfahren ziehen sich hin, ohne zu Verurteilungen zu führen.
Digitale Räume sind zu Brutstätten der Feindseligkeit geworden. Kommentarspalten und soziale Netzwerke verstärken frauenfeindliche Rhetorik, oft mit kaum wirksamer Moderation. Gleichzeitig zeigen sich viele Männer erleichtert über den Rückgang dessen, was sie als "woken Unsinn" bezeichnen – und nutzen dies als Vorwand, um ungeniert Sexismus zu reaktivieren.
Das Muster aus ungestraften Übergriffen und wachsendem Online-Hass offenbart, wie tief verwurzelt diese Probleme sind. Rechtliche Schritte gegen einflussreiche Akteure haben wenig bewirkt, um die Ausbreitung schädlicher Ideologien einzudämmen. Ohne entschlossenere Maßnahmen droht die Umkehr der Fortschritte in der Gleichberechtigung weiter voranzuschreiten.






