Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands zögerliche Energiewende und fordert radikale Reformen
Charlotte JägerHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands zögerliche Energiewende und fordert radikale Reformen
Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär für Energiepolitik, kritisiert die anhaltende Abhängigkeit Deutschlands von Öl und Gas. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung zunehmend unter Druck gerät, ihre Klimaschutzmaßnahmen zu überprüfen. Graichen argumentiert, dass die aktuelle Politik von wirtschaftlichen Interessen, politischem Widerstand und sogar rechtsextremen Einflüssen geprägt sei.
Graichen war im Mai 2023 vorläufig in den Ruhestand versetzt worden, nachdem es im Auswahlverfahren für den Aufsichtsrat der Deutschen Energie-Agentur (dena) zu einem Interessenkonflikt gekommen war. Dennoch äußert er sich weiterhin öffentlich zu Energiefragen und warnt, dass das Ignorieren der Klimakrise diese nicht verschwinden lasse. Er prognostiziert eine Rückkehr zu strengeren Klimaschutzmaßnahmen – getrieben von der Notwendigkeit.
Als Beleg dafür, dass ein schnellerer und kostengünstigerer Umbau der Energieversorgung möglich ist, verweist Graichen auf die skandinavischen Länder. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Installationen von Wärmepumpen in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland um 50 bis 200 Prozent. In Schweden verdoppelte sich die Zahl der Installationen nahezu (plus 150 Prozent), während Norwegen ein Wachstum von 80 Prozent verzeichnete. Auch die Verbreitung von Elektroautos nahm stark zu: In Norwegen entfielen 2025 bereits 89 Prozent der Neuzulassungen auf E-Fahrzeuge. Diese Erfolge basieren auf langfristigen Anreizen: Norwegen gewährt seit den 1990er-Jahren Steuerbefreiungen für Elektroautos, Schweden bot bis 2022 eine "Grüne Prämie" von bis zu 6.000 Euro für umweltfreundliche Fahrzeuge an, und Dänemark förderte mit dem Programm "Grøn Bundt" den Kauf von E-Autos mit Zuschüssen zwischen 3.000 und 10.000 Euro. Finnland senkte unterdessen 2022 die Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen auf null Prozent und unterstützte Käufer von Elektroautos mit 2.000 bis 4.000 Euro.
Graichen schlägt ähnliche Reformen für Deutschland vor. Dazu gehören die Abschaffung der Stromsteuer sowie eine Umgestaltung der Netzentgelte, um Elektroautos und Wärmepumpen attraktiver zu machen. Solche Maßnahmen würden seiner Ansicht nach die Kosten für Haushalte senken und gleichzeitig den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beschleunigen.
Graichens Kritik offenbart eine Kluft zwischen der aktuellen deutschen Energiestrategie und den erfolgreichen Ansätzen Skandinaviens. Seine Vorschläge zielen auf Steuererleichterungen und Subventionen ab, um das skandinavische Modell zu übernehmen. Ob seine Ideen Gehör finden, bleibt abzuwarten – doch das rasante Wachstum bei Wärmepumpen und Elektroautos in den nordischen Ländern zeigt deutlich, dass es Alternativen gibt.






