Betriebsrente: Warum 20 Millionen Deutsche trotz Nachteilen darauf setzen
Lina HuberBetriebsrente: Warum 20 Millionen Deutsche trotz Nachteilen darauf setzen
Betriebsrenten in Deutschland sichern fast 20 Millionen Arbeitnehmer ab – doch das System hat Tücken
Betriebsrenten in Deutschland decken nahezu 20 Millionen Beschäftigte ab und bieten eine Möglichkeit, durch Gehaltsumwandlung für den Ruhestand vorzusorgen. Doch das System ist mit strengen Regeln und finanziellen Abstrichen verbunden. Steuern, Versicherungskosten und eingeschränkte Flexibilität können am Ende beeinflussen, wie viel den Versicherten tatsächlich ausgezahlt wird.
Nach den aktuellen Vorschriften unterliegen Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge in voller Höhe dem individuellen Einkommensteuersatz des Empfängers. Zudem müssen Rentner sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil an den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung selbst tragen. Seit 2020 gibt es zwar einen steuerfreien Freibetrag für Krankenversicherungskosten, der bis 2026 schrittweise auf 197,75 Euro monatlich ansteigt.
Sobald Geld in eine Betriebsrente fließt, verlieren die Versicherten die Kontrolle über dessen Anlage. Anders als bei privaten Sparplänen lassen sich diese Verträge in der Regel nicht kündigen, verkaufen oder vorzeitig auflösen – außer in seltenen Ausnahmefällen. Langfristig kann dieser Mangel an Flexibilität zum Nachteil werden.
Auch die Gehaltsumwandlung selbst verringert das zu versteuernde Einkommen, was wiederum die spätere gesetzliche Rentenansprüche mindern kann. Wer beispielsweise 30 Jahre lang monatlich 180 Euro umwandelt, muss mit einer Kürzung der gesetzlichen Rente von etwa 40 Euro im Monat rechnen. Ein Jobwechsel bringt zusätzliche Hürden mit sich: Bei kurzfristiger Beschäftigung – weniger als drei Jahre – können Gebühren anfallen oder Arbeitgeberzuschüsse verlorengehen.
Historische Daten zeigen, dass breit gestreute ETF-Sparpläne oft höhere Renditen erwirtschaftet haben als Betriebsrenten. Dennoch bleiben die Arbeitgeberzuschüsse und Steuervergünstigungen für viele Arbeitnehmer ein überzeugendes Argument. Mit 19,49 Millionen Versicherten sind Betriebsrenten nach wie vor ein zentraler Baustein der Altersvorsorge.
Doch die starre Struktur des Systems, die Steuerlast und die möglichen Auswirkungen auf die gesetzliche Rente erfordern eine sorgfältige Abwägung. Wer seine Optionen prüft, muss langfristige Sicherheit gegen den Verlust an Anlageflexibilität und mögliche finanzielle Nachteile abwägen.






