Syriens ungewisse Zukunft: Warum Deutschlands Rolle im Wiederaufbau entscheidend ist
Charlotte JägerSyriens ungewisse Zukunft: Warum Deutschlands Rolle im Wiederaufbau entscheidend ist
Zwei Jahre nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 bleibt Syriens Weg zur Demokratie ungewiss. Trotz Forderungen von Aktivist:innen haben deutsche Behörden bisher keine konkreten Pläne für den Wiederaufbau oder die Unterstützung demokratischer Strukturen vorgelegt. Der aktuelle Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa in Berlin hat diese Woche die Debatte über Deutschlands Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Landes neu entfacht.
Al-Sharaas Reise in die deutsche Hauptstadt markiert den ersten hochrangigen diplomatischen Austausch seit dem Zusammenbruch des Regimes. Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, bezeichnete die Einladung als "richtigen Schritt", betonte jedoch, dass echter Fortschritt von Maßnahmen zum Demokratieaufbau abhänge. Gleichzeitig warnte sie, die Übergangsregierung zeige bereits autoritäre Tendenzen, darunter Versuche, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Vertreter:innen von Adopt a Revolution, das seit 2011 die syrische Zivilgesellschaft unterstützt, forderten Berlin auf, lokale Gemeinschaften in die Wiederaufbaupläne einzubinden. Bischoff kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, deutsche Hilfe an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen zu knüpfen, und nannte diesen Ansatz "fehlgeleitet". Zudem verwies sie auf das tiefe demokratische Defizit in Syrien und die Notwendigkeit rechtlicher Schutzmechanismen für Syrer:innen in Deutschland, die zurückkehren und zum Wiederaufbau beitragen wollen.
Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves teilte die Bedenken, Deutschland konzentriere sich zu einseitig auf die Übergangsregierung. Aktivist:innen befürchten, dass ohne eine breitere Einbindung Syriens Übergang wichtige Stimmen der Zivilgesellschaft ausschließen könnte.
Während al-Sharaas Besuch weitergeht, wächst der Druck auf Deutschland, seine Position klarer zu definieren. Gefordert werden stärkere Verpflichtungen für Demokratie und lokale Teilhabe am Wiederaufbau Syriens. Ohne konkrete Schritte, warnen die Aktivist:innen, könnte der fragile Übergangsprozess ins Stocken geraten – oder sogar rückgängig gemacht werden.






