20 April 2026, 08:06

Streit um TKG-Entwurf: Bremst der Staat den Glasfaserausbau in Deutschland?

Nahaufnahme eines Faseroptikkabels mit blauen und weißen Lichtern auf schwarzem Hintergrund.

Streit um TKG-Entwurf: Bremst der Staat den Glasfaserausbau in Deutschland?

Ein neuer Entwurf des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) hat eine Debatte über den Glasfaserausbau und den Wettbewerb auf dem Markt ausgelöst. Branchenvertreter warnen, dass die geplanten Regelungen Investitionen bremsen und etablierte Anbieter begünstigen könnten. Gleichzeitig unterstützen sowohl Unternehmen als auch Verbraucher frühere Reformen, die den Sektor geöffnet haben.

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Der Entwurf sieht zwei zentrale Maßnahmen vor: ein Recht auf vollständigen Glasfaserausbau nach § 144 sowie eine Verpflichtung zum Drittzugang zu Glasfasernetzen gemäß § 22. Scheitern Verhandlungen zwischen Unternehmen an den Konditionen, wird die Bundesnetzagentur (BNetzA) eingreifen und Regeln für die Mitnutzung sowie die Preisgestaltung festlegen.

Kritik kommt aus verschiedenen Richtungen. Stefan Rueter, operativer Geschäftsführer des Netzbetreibers OXG, argumentiert, dass die zweimonatige Meldefrist und die zweijährige Frist für den Abschluss von Glasfaserprojekten die Expansion hemmen könnten. Er warnt, dass Investoren sich zurückziehen könnten, falls die Bedingungen zu restriktiv werden. Claus Wedemeyer, Digitalisierungschef des Wohnungswirtschaftsverbands GdW, bezeichnet § 22 als problematisch und befürchtet, dass unrealistisch hohe Gebühren vor allem den größten Anbietern zugutekämen.

Befürworter des Wettbewerbs sehen die Reformen hingegen positiv. Timo von Lepel, Vorstandsvorsitzender von NetCologne, betont, dass eine starke digitale Infrastruktur entscheidend für Wachstum und fairen Wettbewerb sei. Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus setzt sich ebenfalls für einen schnelleren Glasfaserausbau ein und argumentiert, dass externer Druck den Fortschritt beschleunigen könnte.

Die öffentliche Meinung steht früheren Liberalisierungsschritten weiterhin positiv gegenüber. Umfragen zeigen, dass 65 Prozent der Verbraucher und 69 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Marktreformen der 1990er-Jahre als vorteilhaft bewerten. Viele wünschen sich nun eine Fortsetzung des Wettbewerbs in der Telekommunikation.

Der TKG-Entwurf zielt darauf ab, den Glasfaserausbau und den Drittzugang zu fördern. Doch die Bedenken der Branche hinsichtlich Investitionsrisiken und Gebührenstrukturen bleiben bestehen. Angesichts der Unterstützung durch Unternehmen und Verbraucher werden die endgültigen Regelungen die digitale Infrastruktur Deutschlands in den kommenden Jahren prägen.

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