Streit um Apothekenreform: Wer darf künftig Medikamente abgeben – und zu welchem Preis?
Charlotte JägerStreit um Apothekenreform: Wer darf künftig Medikamente abgeben – und zu welchem Preis?
Im Bundestag wird derzeit im Gesundheitsausschuss über ein neues Gesetz debattiert, das die Apothekenlandschaft in Deutschland grundlegend reformieren soll. Das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) stößt in der Branche auf geteilte Reaktionen – vor allem bei den Themen Gebühren, Regulierung und die künftige Rolle der Apotheker:innen.
Thomas Preis, Vorsitzender der Bundesapothekerkammer (ABDA), unterstützte Pläne, die pauschale Vergütung für Apotheken über eine begleitende Verordnung anzuheben. Er verwies auf einen kontinuierlichen Rückgang der Apothekenzahlen in den vergangenen 13 Jahren und mahnte zügige Reformen an, um weitere Schließungen zu verhindern. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband widersprach jedoch: Eine solche Gebührenerhöhung würde das Gesundheitssystem mit zusätzlichen Kosten von einer Milliarde Euro belasten.
Die Diskussion drehte sich auch um die Betriebsführung von Apotheken. Preis warnte vor einer "Entprofessionalisierung", etwa durch den Betrieb ohne approbierte Apotheker:innen oder vor-Ort-Labore. Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte Vorstöße ab, die eine Vertretung in Apotheken ohne zusätzliche Qualifizierung ermöglichen würden, und betonte die Notwendigkeit von Fachwissen.
Weitere Kritikpunkte betrafen die Arzneimittelsicherheit und den fairen Wettbewerb. Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) sprach sich gegen Pläne aus, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben. Thomas Porstner von der Phagro-Großhandelsgruppe forderte strengere Kontrollen für Logistikunternehmen, um eine sachgerechte Lagerung und den Transport von Arzneimitteln zu gewährleisten. Bork Bretthauer von Pro Generika lobte zwar die zuverlässige Versorgung mit Biosimilars, drängte aber auf ein Verbot von Exklusivverträgen, die den Wettbewerb einschränken könnten.
Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) schlug ein alternatives Modell für die Erstattung von Rezepturarzneimitteln vor und argumentierte, das aktuelle System bedürfe einer Reform.
Die Debatten zeigen tiefe Gräben auf, wie die Modernisierung des Apothekensektors in Deutschland gelingen soll. Während die einen höhere Vergütungen und schärfere Qualitätskontrollen fordern, warnen andere vor steigenden Kosten und Risiken für die Patientensicherheit. Die endgültige Fassung des ApoVWG wird entscheiden, wie Apotheken künftig arbeiten – und wer sie führen darf.