Steffi: Wie die DDR-Puppe zur Kultfigur und Barbie-Alternative wurde
Niklas MüllerModepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR-Puppe zur Kultfigur und Barbie-Alternative wurde
1966 brachte die DDR Steffi auf den Markt – eine Modepuppe, die speziell für Teenager entworfen wurde. Als heimische Alternative zu westlichen Puppen wie Barbie oder Petra entwickelte sie sich schnell zu einem kulturellen Symbol. Ihre Produktion spiegelte die Werte der Zeit wider und bot gleichzeitig etwas Eigenständiges im Vergleich zu ihrem amerikanischen Pendant.
Steffis Ursprung lag in Waltershausen, einer kleinen Stadt im Thüringer Wald, die für ihre lange Tradition im Puppenhandwerk bekannt war. Die VEB Puppenfabrik Biggi, ein volkseigener Betrieb, fertigte sie mit großer Sorgfalt. Die Designerin Margot Schmied benannte die Puppe nach ihrer eigenen Tochter – eine persönliche Note, die ihr Charakter verlieh.
Von Anfang an fiel Steffi durch ihre realistischen Züge auf. Ihr Körper war weiblicher und erwachsener geformt als Barbies schlanke Silhouette. Ihre Frisur bestand aus hochwertigen, knitterfreien Kunstfasern, die sich nicht verfilzten – ein praktisches Detail, das Eltern zu schätzen wussten. Anders als Barbie gab es Steffi von Beginn an auch mit verschiedenen Hauttönen, was sie lange vor westlichen Marken zu einer inklusiveren Puppe machte.
Mit einem Preis von 16 DDR-Mark galt Steffi für die meisten Familien als teuer. Dennoch wurde sie zu einem begehrten Geschenk – selbst für ausländische Würdenträger. Die DDR exportierte sie ins Ausland und erzielte so wertvolle Deviseneinnahmen. Ihr Modebewusstsein entsprach dem Stil der 1960er-Jahre: strenger und eleganter als bei ihren westlichen Konkurrentinnen, was ihr eine besondere Note verlieh.
Heute sind originale Steffi-Puppen begehrte Sammlerstücke. Je nach Zustand und Ausstattung erreichen sie auf dem Markt Preise zwischen 20 und 200 Euro. Ihr Erbe lebt weiter als Zeugnis ostdeutscher Kreativität und Handwerkskunst.
Steffi war mehr als nur ein Spielzeug – sie stand für den Ehrgeiz der DDR, mit der westlichen Konsumkultur mitzuhalten. Ihr Design, ihre Qualität und die frühe Vielfalt der Hautfarben machten sie einzigartig. Jahrzehnte später bleibt sie ein kostbares Stück Geschichte für Sammler und ein Symbol ihrer Epoche.