Ölpreise explodieren: EZB plant Notfallstrategie gegen Inflation und Rezessionsrisiko
Lina HuberÖlpreise explodieren: EZB plant Notfallstrategie gegen Inflation und Rezessionsrisiko
Die Ölpreise sind weit über die früheren Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) gestiegen, angetrieben durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus. Die Nordsee-Ölsorte Brent notiert derzeit zwischen 90 und 120 US-Dollar pro Fass – ein Anstieg um 30 Prozent seit Ende Februar 2026. Diese Preissprünge haben die Inflation auf ein Niveau getrieben, wie es seit 2024 nicht mehr zu beobachten war, und zwingen die EZB, eine dreistufige Strategie zur Bewältigung der Folgen vorzulegen.
Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt in seinen kommenden globalen Prognosen vor höheren Preisen und schwächerem Wachstum. Vor diesem Hintergrund hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde dargelegt, wie die Bank auf verschiedene Szenarien reagieren würde – von begrenzten Schocks bis hin zu schweren Störungen.
Die Krise begann mit Angriffen der Huthi-Rebellen auf die Schifffahrt Ende 2023, durch die etwa die Hälfte des Verkehrs durch den Suezkanal umgeleitet wurde – eine Störung, von der sich der Schiffsverkehr nie vollständig erholt hat. Seither halten der Ukraine-Krieg und nun der Iran-Konflikt die Ölpreise auf einem hohen Niveau, deutlich über den Prognosen der EZB vom März 2024. Die aktuellen Preise entsprechen eher dem ungünstigen Szenario der Bank als ihrer Basiserwartung.
Im ersten Szenario, falls sich der Energieschock als kurzlebig erweist, würde die EZB voraussichtlich abwarten und den Preisanstieg als vorübergehend behandeln. In einem zweiten Szenario – bei anhaltend, aber nicht übermäßig hoher Inflation – könnten jedoch moderate Anpassungen der Geldpolitik folgen, etwa leichte Zinserhöhungen.
Das dritte Szenario ist weitaus düsterer. Sollte die Inflation deutlich und über Jahre hinweg vom Ziel abweichen, hat die EZB eine entschlossene Gegenwehr angekündigt. Dies würde zwar die Preisentwicklung bremsen, berge jedoch das Risiko, eine durch anhaltende Energieschocks ausgelöste Rezession weiter zu vertiefen. Im schlimmsten Fall blieben sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation über zwei Jahre hin zu hoch, während die Wirtschaftsleistung 2026 stagniert, bevor sich eine langsame Erholung abzeichnet.
Eine Verschärfung der Energiekrise würde die Eurozone laut den Modellen der EZB in eine leichte Rezession stürzen. Die Reaktion der Bank hinge dann davon ab, wie lange die Inflation vom Zielwert abweicht – und wie entschlossen sie eingreifen müsste, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen.
Die EZB steht nun vor dem schwierigen Spagat, die Inflation einzudämmen, ohne die Wirtschaft zu sehr zu belasten. Im günstigsten Szenario wären 2026 nur moderate Zinserhöhungen nötig. Bleiben die Ölpreise jedoch hoch und die Inflation hartnäckig, könnten strengere Maßnahmen folgen – selbst auf die Gefahr einer tieferen Wirtschaftskrise hin. Die nächsten Schritte der Bank werden davon abhängen, wie sich der Iran-Konflikt und die Energiemärkte in den kommenden Monaten entwickeln.






