Olaf Lies und der umstrittene Kurswechsel bei der Gasförderung im Wattenmeer
Olaf Lies und der umstrittene Kurswechsel bei der Gasförderung im Wattenmeer
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies steht wegen seiner wechselhaften Haltung zur Gasförderung im Wattenmeer in der Kritik. Einst ein vehementer Gegner des Vorhabens, unterstützte er es später – nur um sich bis 2025 erneut davon zu distanzieren. Im Zentrum der Debatte stehen wirtschaftliche Interessen, die Energiesicherheit und die Befürchtung irreparabler ökologischer Schäden in dem von der UNESCO geschützten Gebiet.
2020 hatte Olaf Lies die Pläne für die Gasförderung im Wattenmeer noch scharf verurteilt. Doch nach Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 und der darauffolgenden Energiekrise in Deutschland änderte er seine Position. Er argumentierte, dass Energiesicherheit und wirtschaftliche Interessen die Umweltbedenken überwiegen würden, und setzte sich für eine Genehmigung des Projekts nach Bundesberggesetz ein.
Bis Dezember 2022 hatte der Niedersächsische Landtag sein früheres Verbot von Öl- und Gasbohrungen in der Region aufgehoben. Lies wandte sich an Bundesumweltminister Carsten Schneider, um strengere Meeresnaturschutzgesetze zu blockieren – mit der Begründung, diese würden falsche Signale an Investoren senden. Er verwies auf die 500-Millionen-Euro-Investition des Unternehmens One-Dyas B.V., die unter den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen getätigt worden war, und warnte davor, dass neue Vorschriften kostspielige Entschädigungsforderungen auslösen könnten.
Trotz dieser Bemühungen blieb das Projekt durch den Widerstand von Umweltschutzorganisationen und die EU-Habitatrichtlinien (Natura 2000) blockiert. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warf Lies vor, finanzielle Risiken übertrieben darzustellen, um Gesetzesänderungen zugunsten von One-Dyas zu verzögern. Unterdessen ordnete die Landesbergbehörde die sofortige Vollziehung der Bohrgenehmigung an und ermöglichte dem Unternehmen damit die Fortsetzung der Arbeiten.
Eine interne Bewertung durch Lies' Beamte schätzte das finanzielle Risiko Niedersachsens später auf lediglich 2 bis 17 Millionen Euro. Doch bis 2024/2025 führten wachsender internationaler Druck und Klimaverpflichtungen dazu, dass er sich öffentlich vom Projekt distanzierte. Er räumte ein, dass rechtliche und ökologische Hürden eine Umsetzung unwahrscheinlich machten.
Das Gasförderprojekt bleibt umstritten: Umweltverbände warnen vor dauerhaften Schäden für das Ökosystem und den UNESCO-Status des Wattenmeeres. Während Lies das Vorhaben zunächst aus Gründen der Energiesicherheit unterstützte, haben nun rechtliche Herausforderungen und Klimaziele es an den Rand des Scheiterns gebracht. Die finanziellen Risiken für das Land scheinen begrenzt – doch die ökologischen Folgen wären verheerend.
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