14 March 2026, 00:06

Niedersachsens Polizei-Software-Streit: Palantir spaltet Koalition und Experten

Eine Gruppe von Polizisten steht vor einem großen Gebäude mit Fenstern, Säulen und Bögen, mit Fahrzeugen auf der Straße und einer Person mit einer Kamera auf der linken Seite, unter einem klaren blauen Himmel mit Bäumen, Ampeln und Flaggen im Hintergrund.

Niedersachsens Polizei-Software-Streit: Palantir spaltet Koalition und Experten

In Niedersachsen ist ein politischer Streit über Pläne zur Einführung der Analysesoftware des US-Unternehmens Palantir für die Polizeiarbeit entbrannt. Die regierende Koalition aus SPD und Grünen lehnt den Vorstoß entschieden ab und verweist auf Datenschutzrisiken sowie Bedenken gegenüber der Abhängigkeit von einem amerikanischen Technologiekonzern. Die CDU hingegen argumentiert, solche Werkzeuge seien für die moderne Verbrechensbekämpfung unverzichtbar.

Im Mittelpunkt der Debatte steht Palantirs Software für "Predictive Policing", die bereits in mehreren deutschen Bundesländern getestet wurde. Kritiker – darunter SPD und Grüne – warnen, das System funktioniere wie eine "Blackbox" mit intransparenten Abläufen, die grundlegende Rechte gefährden könnten. Die SPD geht noch weiter und bezeichnet Palantir als "US-Überwachungskonzern", wobei sie auf die Risiken hinweist, neue Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern zu schaffen.

Auch die Beratergruppe AG KRITIS, die sich mit kritischer Infrastruktur befasst, hat Alarm geschlagen. Sie kritisiert Palantirs "Datenpipelines", die kontinuierlich Polizeidaten speisen und analysieren – ein Vorgehen, das verfassungsrechtliche Probleme aufwerfen könnte. Stattdessen schlägt die Gruppe vor, den in Deutschland entwickelten "P20-Datenhub" zu priorisieren. Dieser solle eine Neuordnung der Polizeidaten mit klarer rechtlicher Kennzeichnung und konformen Analysefunktionen ermöglichen. Die Experten warnen, dass die Nutzung von Palantir zu langfristigen strukturellen Abhängigkeiten führen könnte – insbesondere bei Datenzugriff und künftiger KI-Integration.

Trotz des Widerstands besteht die CDU darauf, dass Polizei und Sicherheitsbehörden moderne Instrumente benötigen, um die wachsenden Datenmengen zu bewältigen. Die Partei drängt auf gesetzliche Reformen, um den Einsatz spezialisierter Software zu ermöglichen, und argumentiert, dies steigere die Effizienz bei der Aufklärung von Straftaten. Doch in Niedersachsen und Sachsen bleibt die Ablehnung groß: Hier fürchtet man flächendeckende Überwachungsrisiken und Verstöße gegen den Grundsatz der Zweckbindung.

Fachleute verschärfen die Kritik und verweisen auf verfassungswidrige Rasterfahndungen, mangelnde Transparenz bei der Datenverarbeitung sowie Bedrohungen für die demokratische Kontrolle. Eine schwedische Studie unterstreicht zudem die Gefahren für Grundrechte durch KI-gestützte Polizeitools in Europa. Viele fordern stattdessen heimische Alternativen wie den P20-Datenhub, um die rechtlichen und ethischen Fallstricke externer Systeme zu umgehen.

Der Konflikt lässt die Pläne zur Modernisierung der niedersächsischen Polizei in der Schwebe. Während die CDU auf gesetzliche Änderungen pocht, um Palantirs Software einzuführen, halten SPD und Grüne an ihrer Ablehnung fest. Die Entscheidung wird zeigen, ob Deutschland auf eigene Lösungen setzt – oder sich tiefer in Abhängigkeiten von ausländischen Technologieanbietern begibt.

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