13 March 2026, 22:05

Kulturminister streichte drei Buchhandlungen von Preis-Shortlist – und löst Zensur-Debatte aus

Ein altes Buch mit einem Schloss darauf, offen, um Text auf seinen Seiten zu enthüllen, vor einem dunklen Hintergrund.

Kulturminister streichte drei Buchhandlungen von Preis-Shortlist – und löst Zensur-Debatte aus

Drei unabhängige Buchhandlungen sind von der Shortlist für den Preis der Deutschen Buchbranche 2025 gestrichen worden – nach einer Entscheidung von Niedersachsens Kulturminister Wolfram Weimer. Die betroffenen Läden – Zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen – waren zunächst von einer unabhängigen Jury nominiert worden. Weimer setzte sich über die Jury hinweg und begründete dies mit Bedenken wegen angeblicher Verbindungen zu Aktivitäten, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Die Entscheidung löste umgehend scharfe Kritik von Gewerkschaften und Branchenvertretern aus, die darin eine Bedrohung der kulturellen Freiheit sehen und den Buchhandlungen vorwerfen, ohne klare Beweise unfair behandelt zu werden.

Weimer, der zugleich als Kultur- und Medienbeauftragter der Bundesregierung amtiert, rechtfertigte sein Eingreifen damit, dass der mit 30.000 Euro dotierte, steuerfinanzierte Preis nicht an sogenannte "Staatsfeinde" gehen dürfe. Seine Entscheidung stützt er auf nicht näher bezeichnete "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" – eine Behauptung, die bisher nicht öffentlich konkretisiert wurde. Normalerweise folgt der Minister den Empfehlungen der Jury, in diesem Fall machte er jedoch eine Ausnahme.

Die betroffenen Buchhandlungen pflegen enge Verbindungen zur Gewerkschaft ver.di, wobei Rote Straße und The Golden Shop dem Landesverband angehören. Andrea Wemheuer, Landesvorsitzende von ver.di in Niedersachsen, verurteilte den Ausschluss als "katastrophal" und warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall für Zensur. Sie betonte, Buchhandlungen seien unverzichtbare Orte für offenen Diskurs und kulturellen Austausch, und rief zu Solidarität mit den Läden auf.

Die Unterstützung für die drei Buchhandlungen wächst rasant in Verlags- und Buchhandelskreisen. Viele kritisieren Weimers Entscheidung als politisch motiviert und monieren, dass die intransparente Vorwurfslage das Vertrauen in den Preisvergabeprozess untergräbt. Die unabhängige Jury, die die Buchhandlungen ursprünglich ausgewählt hatte, hat sich bisher nicht öffentlich zum Überstimmen geäußert.

Die Streichung der drei Buchhandlungen von der Shortlist wirft Fragen über ihre künftige Teilnahme an Kulturförderprogrammen auf. Weimers Entscheidung, die auf nicht offen gelegten Sicherheitsbedenken beruht, steht in krassem Gegensatz zur ursprünglichen Jury-Auswahl. Unterdessen solidarisieren sich Branchenverbände und Gewerkschaften weiter mit den Läden und bestehen darauf, dass kulturelle Einrichtungen frei von politischer Einmischung bleiben müssen.

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