Heidekreis vor Umbruch: Weniger Schüler, mehr Jugendliche ohne Abschluss
Nico KellerHeidekreis vor Umbruch: Weniger Schüler, mehr Jugendliche ohne Abschluss
Heidekreis steht vor tiefgreifenden Veränderungen im Schulsystem
In den kommenden zehn Jahren wird sich das Schulsystem im Heidekreis deutlich wandeln. Laut Prognosen wird die Schülerzahl kontinuierlich sinken, doch Zuzug und neue Arbeitsplätze könnten den Rückgang abmildern. Gleichzeitig bleibt die Sorge, dass zu viele Jugendliche die Schule ohne grundlegenden Abschluss verlassen – besonders betroffen sind dabei Schüler:innen mit Migrationshintergrund.
Wie das Landesamt für Statistik vorhersagt, wird die Bevölkerung im Heidekreis bis 2045 um 12,4 Prozent schrumpfen. Diese Entwicklung wird sich auch auf die Schülerzahlen auswirken, wobei das genaue Ausmaß noch unklar ist. Jürgen Haarstick, Leiter des Schulamts im Landkreis, räumte ein, dass Langzeitprognosen mit zunehmender zeitlicher Distanz an Aussagekraft verlieren.
Die meisten Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen in der Region werden voraussichtlich stabil bleiben und hohe Schülerzahlen halten. Das überfüllte Gymnasium Walsrode könnte durch den sogenannten IGS-Effekt sogar noch mehr Schüler:innen anziehen. Bis zum Schuljahr 2025/26 wird die kooperative Gesamtschule in Schneverdingen etwa 1.200 Schüler:innen zählen, die in Schwarmstedt rund 900.
Doch die Herausforderungen bleiben: Zwischen 2018 und 2024 verließen jährlich 85 bis 163 Jugendliche die Schule ohne Hauptschulabschluss. Bei Schüler:innen mit Migrationshintergrund ist die Lage besonders prekär – 12 bis 25 Prozent von ihnen erwerben keinen Abschluss. Die Daten von 2021 bis 2025 zeigen einen Anstieg dieser Gruppe um 36 Prozent, von 180 auf 245 Schüler:innen, was unter anderem auf Zuwanderung und Förderprogramme zurückzuführen ist.
Besonders unsicher ist die künftige Schülerzahl in Bad Fallingbostel. Der Abzug der britischen Streitkräfte könnte die Zahlen drücken, doch neue Arbeitsplätze durch das Krankenhaus und den Ausbau der Bundeswehr könnten dies ausgleichen. Trotz des allgemeinen Rückgangs werden mehrere weiterführende Schulen vorerst zweizügig bleiben und so stabile Klassengrößen sichern.
Bis 2031 rechnet der Landkreis mit weniger Schüler:innen, doch Zuwanderung und lokale Jobangebote könnten leere Klassenzimmer verhindern. Die Schulen werden sich weiter anpassen müssen – doch das wachsende Problem der Jugendlichen ohne Abschluss, insbesondere unter denen mit Migrationshintergrund, bleibt eine zentrale Aufgabe. Die Verantwortlichen werden die Entwicklungen genau beobachten, während sich die Prognosen weiter konkretisieren.