23 May 2026, 18:05

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und politische Rückschläge

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und politische Rückschläge

Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt

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In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Bedrohungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Ein aktueller Bericht zeigt: Mehr als 60 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich haben in den vergangenen zwei Jahren gezielte Aggressionen erlebt. Die Zunahme der Vorfälle geht einher mit einem breiten politischen Rückschlag gegen Frauen- und queere Rechte.

Das Thema stand im Mittelpunkt einer kürzlichen Konferenz in Lübeck, bei der sich 70 Gleichstellungsbeauftragte trafen, um über die eskalierende Bedrohungslage zu beraten. Dabei ging es nicht nur um die eigene Sicherheit, sondern auch um schrumpfende Budgets und nachlassende politische Unterstützung für ihre Arbeit.

Allein im Jahr 2024 verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Die Angriffe reichen von digitaler Hetze bis zu körperlicher Einschüchterung. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, wie Rechtsextreme nach einem öffentlichen Statement zu Gleichstellungsthemen vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.

Auch Vandalismus ist zu einem sichtbaren Problem geworden. Orangefarbene Bänke, die im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt wurden, wurden in Städten wie Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wiederholt beschädigt. Die Bänke, die eigentlich sichere Räume symbolisieren sollen, geraten zunehmend ins Visier von Gegnern gleichstellungspolitischer Initiativen.

Auf dem BAG-Kongress in Lübeck stand das Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“ im Zentrum. Die Veranstaltung machte die Herausforderungen deutlich: Kürzungen bei den Mitteln, politische Gleichgültigkeit und offene Feindseligkeit. Viele Beauftragte berichteten von mehreren Vorfällen in den letzten zwei Jahren – 40 Prozent waren sogar wiederholten Angriffen ausgesetzt.

Was einst eine Randerscheinung war, hat sich mittlerweile zu einer organisierten politischen Kraft entwickelt: Der Antifeminismus. Seine Anhänger stören gezielt Gleichstellungsprojekte – von öffentlichen Kampagnen bis hin zu politischen Vorhaben. Der Kongress sollte die Vernetzung der Beauftragten stärken und gegenseitige Unterstützung in einem zunehmend feindseligen Umfeld bieten.

Die Zunahme antifeministischer Angriffe setzt Gleichstellungsbeauftragte massiv unter Druck. Mit Vandalismus, persönlichen Drohungen und finanziellen Engpässen wird ihre Arbeit immer schwerer aufrechterhaltbar. Die Lübecker Konferenz markierte einen Schritt in Richtung kollektiven Widerstands – doch die Herausforderungen bleiben groß, während der politische Gegenwind weiter wächst.

Quelle