15 March 2026, 22:04

Dresdner Obergraben-Presse: Wie Künstler in der DDR geheime Freiräume schufen

Ein detailliertes Zeichnung von der Schlosshof-Fassade in Dresden, Deutschland, mit zahlreichen Fenstern und Statuen auf einem Blatt Papier mit Text.

Dresdner Obergraben-Presse: Wie Künstler in der DDR geheime Freiräume schufen

1978 entstand in Dresden, in der damaligen DDR, ein einzigartiger künstlerischer Ort: die Dresdner Obergraben-Presse. Eine Gruppe von Künstlern verwandelte eine leerstehende Dreizimmerwohnung in eine Druckwerkstatt, einen Verlag und eine Galerie. Dieses kreative Zentrum agierte unter den strengen Kulturrichtlinien der DDR und fand Wege, staatliche Kontrolle mit begrenzter künstlerischer Freiheit in Einklang zu bringen.

Den Anstoß gab Eberhard Göschel, der in ein größeres Atelier umzog und die Wohnung zurückließ. Der freigewordene Raum wurde zum neuen Zuhause eines experimentellen Kollektivs. Göschel und Peter Herrmann arbeiteten bereits seit 1976 im Künstlerkreis des Leonhardi-Museums zusammen.

Das Herzstück der Werkstatt war eine restaurierte italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Herrmann gehörte und von Bernhard Theilmann wieder instand gesetzt wurde. Jochen Lorenz, ein erfahrener Drucker, der die Routineaufträge wie Fahrpläne satt hatte, schloss sich dem Projekt an. Ihr gemeinsames Ziel war es, etwas Ambitionierteres zu schaffen.

Zur gleichen Zeit entwickelte der Künstler A.R. Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund weiter. Zwar war er nicht direkt an der Presse beteiligt, doch seine Ideen über künstlerische Sichtbarkeit prägten die Dresdner Underground-Szene. Bereits 1971 hatte Penck die Künstlergruppe Lücke mitgegründet, die sich bis 1976 wieder auflöste.

Die Obergraben-Presse fungierte als halb-offizielles Kollektiv und bewegte sich im Spannungsfeld der DDR-Restriktionen. Durch lokale Kulturförderung und die Unterstützung von Behörden sicherte sie sich einen gewissen Spielraum – eine Seltenheit unter den staatlich kontrollierten Bedingungen. Die Werkstatt wurde zu einem Ort des Druckens, Ausstellens und Publizierens, stets bemüht, das Verhältnis zum Staat behutsam zu steuern.

Die Dresdner Obergraben-Presse bot Künstlern in den 1970er-Jahren in der DDR eine seltene Plattform. Mit einer über hundert Jahre alten Presse und einer umfunktionierten Wohnung schuf das Kollektiv Freiräume in einem starren System. Sein Vermächtnis bleibt mit dem Widerstandsgeist von Künstlern verbunden, die unter politischen Zwängen arbeiteten.

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