Bundesregierung plant Rückführung von 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge in drei Jahren
Nico KellerBundesregierung plant Rückführung von 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge in drei Jahren
Deutschland beherbergt derzeit rund 936.000 syrische Staatsbürger, davon sind über 700.000 als Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland geflohen. Nun haben Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Innerhalb von drei Jahren sollen 80 Prozent dieser Syrer in ihre Heimat zurückgeführt werden. Der Plan stößt bereits bei Migrationsfachleuten auf Kritik.
Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der die Gewalt und Instabilität in Nord- und Nordostsyrien anhalten. Die anhaltenden Konflikte, verbunden mit desaströsen wirtschaftlichen und humanitären Bedingungen, werfen die Frage auf, ob eine sichere Rückkehr überhaupt möglich ist. Viele Häuser und Straßen liegen noch immer in Trümmern, während Arbeitsplätze und Wohnraum knapp sind, wie Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, betont.
Kluth übt offene Kritik an dem Rückführungsziel und bezeichnet es als unrealistisch. Er warnt davor, bei den Flüchtlingen falsche Hoffnungen zu wecken. Zwar räumt er ein, dass Syrien dringend Wiederaufbau braucht, doch betont er, dass der humanitäre Schutz erst enden dürfe, wenn Rückkehrer keine Bedrohungen mehr fürchten müssten. Zudem verweist er auf die Schwierigkeiten, die Sicherheitslage vor Ort verlässlich zu bewerten.
Über die humanitären Bedenken hinaus weist Kluth auf praktische Probleme in Deutschland hin. Viele syrische Flüchtlinge hätten sich gut integriert, hätten Arbeitsplätze gefunden und ihre Kinder in Schulen angemeldet. Er argumentiert, dass ein Rückführungsprogramm die Interessen der Geflüchteten mit den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarkts in Einklang bringen müsse.
Der Plan der Bundesregierung, 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge innerhalb von drei Jahren zurückzuführen, steht vor erheblichen Hindernissen. Angesichts der anhaltenden Konflikte und der mangelnden Infrastruktur in Syrien stellen Fachleute sowohl die Machbarkeit als auch die Angemessenheit des Vorhabens infrage. Gleichzeitig erschwert die erfolgreiche Integration vieler Syrer in die deutsche Gesellschaft die Debatte zusätzlich.






