Bargeld im Einzelhandel: Warum digitale Zahlungen nicht alle mitnehmen
Lina HuberBargeld im Einzelhandel: Warum digitale Zahlungen nicht alle mitnehmen
Bargeld wird im Alltagseinkauf immer schwerer nutzbar – das berichten Verbraucherschützer. Zwar bevorzugen viele Kundinnen und Kunden die Bequemlichkeit von Karte oder Smartphone, doch Experten warnen: Wer Bargeld ablehnt, könnte manche Menschen abhängen. Der Trend zu digitalen Zahlungsmitteln wirft Fragen nach Gerechtigkeit und Zugang für alle auf.
Eine Studie der Bundesbank aus dem Jahr 2023 zeigte, dass etwas mehr als die Hälfte aller täglichen Transaktionen in Deutschland noch in bar getätigt wurden. Das entspricht einem Rückgang um sieben Prozentpunkte seit 2021 und unterstreicht die wachsende Beliebtheit digitaler Zahlungsmethoden.
In Deutschland gibt es rund 710.000 Kassen im Einzelhandel, darunter 38.650 Selbstbedienungsterminals – mehr als doppelt so viele wie noch 2023. Viele dieser Selbstcheckouts akzeptieren nur Kartenzahlungen oder mobile Bezahlverfahren, aber keine Banknoten. Zwar liegen keine genauen Zahlen vor, doch Berichten zufolge nehmen die meisten weiterhin Bargeld an, um der Kundennachfrage gerecht zu werden. Dennoch gewinnen digitale Optionen zunehmend an Bedeutung.
Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verband der Verbraucherzentralen, weist auf die Risiken hin, die mit dem Ausschluss von Bargeld verbunden sind. Sie argumentiert, dass eine Ablehnung von Bargeld Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln daran hindern könnte, vollwertig am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Verbraucherschützer fordern, dass mögliche Ausnahmen von der Bargeldannahme klar definiert, streng begrenzt und gut begründet sein müssen.
Befürworter betonen zudem die einzigartigen Vorteile von Bargeld: Es schützt die Privatsphäre, erleichtert die Haushaltsplanung und bleibt selbst bei Stromausfällen oder Internetstörungen zuverlässig funktionstüchtig. Trotz des Aufschwungs digitaler Zahlungsmethoden insistieren sie darauf, dass Bargeld stets eine Option für diejenigen bleiben muss, die darauf angewiesen sind.
Die Debatte um Bargeld hält an, während digitale Transaktionen immer beliebter werden. Verbraucherorganisationen setzen sich für rechtliche Schutzmaßnahmen ein, um sicherzustellen, dass Bargeld für alle verfügbar bleibt. Ohne solche Regelungen, so ihre Warnung, könnten manche Kundinnen und Kunden im Alltag unnötigen Hürden gegenüberstehen.