Apotheken kämpfen mit unwirtschaftlichen pharmazeutischen Dienstleistungen trotz steigender Nachfrage
Lina HuberApotheken kämpfen mit unwirtschaftlichen pharmazeutischen Dienstleistungen trotz steigender Nachfrage
Deutsche Apotheken kämpfen trotz steigender Nachfrage darum, mit vergüteten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) Gewinne zu erzielen. Eine neue Studie der Freien Apothekerschaft (FA) zeigt, dass viele dieser Leistungen – darunter auch Bluthochdruck-Risikobewertungen – oft mehr kosten, als die Erstattung deckt. Da nur ein Bruchteil der Patienten sie in Anspruch nimmt, bleibt die Zukunft dieser Angebote ungewiss.
Seit der Einführung bezahlter pharmazeutischer Dienstleistungen wie der Medikamenten-Therapie-Managements (MTK) vor 2020 steigt deren Nutzung zwar langsam an. Doch selbst bis 2025 machten sie lediglich 1–2 % aller Apothekenbesuche aus. Geringe Patientenaufklärung, umständliche Abrechnungsverfahren und kaum vorhandene Überweisungen durch Ärzte halten die Nachfrage niedrig.
Ein zentrales Beispiel sind die Bluthochdruck-Risikobewertungen, für die Apotheken netto 11,20 Euro pro Untersuchung erhalten. Die Studie ergab, dass weniger als jede dritte Apotheke mit diesen Checks kostendeckend arbeitet – die meisten machen Verluste. Die FA argumentiert, dass Apotheken zwar über die nötige Expertise für pDL-Leistungen verfügen, die aktuellen Vergütungen aber die tatsächlichen Kosten nicht decken.
Neben der unzureichenden Bezahlung sehen sich Apotheken weiteren Hindernissen gegenüber: Personalmangel, hoher bürokratischer Aufwand, strenge räumliche Vorgaben und Spannungen mit anderen Gesundheitsberufen erschweren das Angebot dieser Dienstleistungen. Trotz dieser Herausforderungen ist die Abrechnung von pDL-Leistungen gestiegen, doch ein mit 537 Millionen Euro dotierter Fonds für das Programm bleibt weitgehend ungenutzt.
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert nun höhere und nachhaltige pDL-Vergütungen. Die FA warnt gleichzeitig davor, ungenutzte pDL-Mittel in den allgemeinen Apothekenhaushalt umzuleiten, da dies die langfristige Struktur dieser spezialisierten Leistungen schwächen könnte.
Ohne Änderungen, so die Studie, könnten viele pDL-Leistungen für Apotheken unwirtschaftlich werden. Die Politik wird aufgefordert, die Vergütung anzupassen und betriebliche Hürden abzubauen, um sicherzustellen, dass diese Angebote bundesweit erhalten bleiben. Ziel ist es, sie wirtschaftlich tragfähig zu gestalten – ohne die Bedürfnisse der Patienten aus den Augen zu verlieren.