13 June 2026, 16:03

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage polarisiert in Wien

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokante Mishima-Hommage polarisiert in Wien

Angélica Liddell präsentierte bei den Wiener Festwochen eine beeindruckende Performance mit dem Titel Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben. Das Stück setzte sich intensiv mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren auseinander und ließ sich dabei vom japanischen Schriftsteller Yukio Mishima inspirieren, der durch seinen rituellen Selbstmord bekannt wurde.

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Liddells Werk nahm seinen Ausgang in einer persönlichen Erfahrung: Sie war einst Zeugin des Suizids einer Frau in Madrid, was sie dazu brachte, sich mit dem Leben und Sterben anderer Menschen auseinanderzusetzen. Für die Aufführung sammelte ihre Kompanie, Atra Bilis Teatro, Kleidungsstücke Verstorbener. Auf der Bühne trug Liddell diese Kleidung und verkörperte so die Rollen und letzten Momente fremder Menschen.

Die zweistündige Produktion verband Elemente des Nō-Theaters mit Liddells eigenem, ungestümen Stil. Sie inszenierte Mishimas Selbsttötung neu und fügte leidenschaftliche, fast ekstatische Rechtfertigungen der Selbstzerstörung ein, die von abrupten Unterbrechungen und schwarzem Humor durchzogen waren. An einer Stelle ließen sich Liddell und eine weitere Performerin auf der Bühne Blut abnehmen, das sie vermischten und auf eine Leinwand spritzten. Manche Zuschauer empfanden das Stück mitunter als etwas langatmig.

Die Aufführung hinterließ als Teil des festivalweiten Themas der Sterblichkeit einen starken Eindruck. Durch den Einsatz echter Kleidung und realen Blutes sowie ihre theatralischen Entscheidungen unterstrich Liddell die rohe, konfrontative Natur des Stücks. Die Inszenierung wird vermutlich für ihren mutigen Umgang mit einem schwierigen Thema in Erinnerung bleiben.

Quelle