Zoff um Apothekenfinanzierung: Redcare-Chef und Berliner Kammer im Clinch über Festzuschlag
Lina HuberZoff um Apothekenfinanzierung: Redcare-Chef und Berliner Kammer im Clinch über Festzuschlag
Schärfer Streit um Apothekenfinanzierung: Redcare-Chef und Berliner Apothekerkammer aneinandergeraten
Ein hitziger Streit über die Finanzierung von Apotheken ist zwischen Redcare-Geschäftsführer Olaf Heinrich und der Präsidenten der Berliner Apothekerkammer, Dr. Ina Lucas, entbrannt. Die Auseinandersetzung eskalierte auf dem Kooperationsgipfel in München, wo es vor allem um die geplante Erhöhung der Festzuschlags für Apotheken von 6,58 Euro auf 9,50 Euro ging. Beide Seiten präsentierten dabei grundverschiedene Visionen für die Zukunft lokaler und digitaler Apothekenleistungen.
Der Konflikt kommt zu einer Zeit, in der die Zahl der Apotheken in Deutschland drastisch gesunken ist – von 20.662 im Jahr 2013 auf nur noch 17.288 im Juli 2024. Gleichzeitig wird seit 2013 eine Anpassung an die Inflation gefordert, die bis heute aussteht.
Den Auftakt der Debatte machte Heinrich, der eine Erhöhung auf 9,50 Euro als unzureichend bezeichnete, um kämpfende Apotheken zu retten. Er betonte, das aktuelle System sei nicht mehr tragfähig – bereits ein Drittel der Filialen stehe vor dem Aus. Stattdessen plädierte er für größere, effizientere Strukturen und argumentierte, dass digitale und Fernbetreuung die Leistungen kleiner Apotheken nicht nur ersetzen, sondern sogar übertreffen könnten.
Heinrich verteidigte zudem Bonusprogramme für Rezeptkunden und berief sich dabei auf EU-Recht als maßgebliche Instanz. Redcare überwache aktiv Marktpraktiken, etwa wenn Kurierdienste Medikamententüten bei Nachbarn abstellten, so der Manager. "Wir führen auch Testkäufe durch", betonte er und unterstrich die Notwendigkeit einer strengeren Kontrolle bei Liefermodellen.
Dr. Ina Lucas lehnte die Vorstellung, Apotheken zu bloßen Logistikzentren zu reduzieren, entschieden ab. Therapiebegleitung bleibe eine Kernaufgabe der vor Ort ansässigen Apotheken, warnte sie – Versandapotheken wie Shop Apotheke seien für solche Leistungen "viel zu teuer". Lucas bestand darauf, dass eine angemessene Finanzierung, konkret der vorgeschlagene Zuschlag von 9,50 Euro, kleinen Apotheken wieder Luft zum Atmen geben würde. "Wer Qualitätsversorgung will, muss die 9,50 Euro auf den Tisch legen – dann werden wir sehen", erklärte sie.
Die Diskussion um den Festzuschlag zieht sich bereits seit 2020 hin. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte zwar eine Anhebung auf 9,50 Euro bis 2026 zugesagt, doch das von Vizekanzler Lars geführte Finanzministerium blockiert die Umsetzung. Eine Analyse des Bundestags hatte kürzlich festgestellt, dass das Ausbleiben der Anpassung nach §2 der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) rechtswidrig sei – konkrete Gesetzesinitiativen oder Gerichtsurteile folgten jedoch nicht. Die Ergebnisse der Finanzkommission Gesundheit vom März 2026, die im Koalitionsvertrag referenced werden, stehen weiterhin aus.
Lucas wies Vorwürfe zurück, lokale Apotheken seien überholt. Bei ausreichender Finanzierung leisteten sie unverzichtbare Dienste, so ihre Argumentation. Heinrich hingegen forderte eine längst fällige Debatte über das ideale Apothekennetz und schlug vor, dass Konsolidierung und digitale Lösungen moderne Anforderungen besser erfüllen könnten.
Der Streit offenbart tiefe Gräben über die Zukunft der deutschen Apothekenlandschaft. Ohne Inflationsanpassung seit 2013 und einem kontinuierlichen Rückgang lokaler Filialen wächst der Reformdruck. Die Weichenstellung hängt nun davon ab, ob die Politik die zugesagte Erhöhung umsetzt – oder ob digitale und großflächige Modelle die Branche grundlegend verändern werden.






