Skandal-Ballett Nurejew triumphiert mit politischer Brisanz in Berlin
Nico KellerSkandal-Ballett Nurejew triumphiert mit politischer Brisanz in Berlin
Das umstrittene Ballett Nurejew feiert internationale Premiere in Berlin
Das kontroverse Ballett Nurejew, eine Koproduktion des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow, hat in Berlin sein internationales Debüt gegeben. Die einst in Russland verbotene Produktion wurde im März 2026 an der Deutschen Oper mit großer Anerkennung uraufgeführt. Ihr Weg vom Moskauer Bolschoi-Theater auf die deutsche Bühne spiegelt sowohl künstlerischen Widerstand als auch politische Spannungen wider.
Das Ballett hatte 2017 am Bolschoi-Theater unter Serebrennikows Regie Premiere – trotz anfänglicher Absage nach den Proben. Schließlich kam es doch zur Aufführung, allerdings ohne den Regisseur, der zu diesem Zeitpunkt unter Hausarrest stand. Serebrennikow sah sich später mit Veruntreuungsvorwürfen konfrontiert und wurde bis 2022 ins Exil gedrängt, als die politische Repression in Russland zunahm.
Die mutige Darstellung von Rudolf Nurejews Leben, einschließlich seiner Homosexualität, führte 2023 zum Verbot des Stücks in Russland – begründet mit Gesetzen gegen die "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen". Doch gerade dies festigte seinen Ruf als Symbol künstlerischen Widerstands. Die Inszenierung des Staatsballetts Berlin im Jahr 2026 markierte die erste Aufführung außerhalb Russlands, mit einer opulenten Bühnengestaltung, die Nurejews persönliche Habe einbezog: Aktgemälde alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf seine italienische Insel.
Kritiker bemängelten zwar das ungleichmäßige Tempo der Handlung, insbesondere im zweiten Akt, der an die emotionale Wucht des ersten nicht ganz heranreichte. Dennoch begeisterten die großen Ensembleszenen und die eindrucksvollen Solomomente das Publikum. Das Werk zeichnet Nurejews Aufstieg nach – von seiner Ausbildung bei Alexander Puschkin bis zu seiner spektakulären Flucht nach Frankreich 1961.
Der in Luhansk, Ukraine, geborene Choreograf Juri Possochow arbeitet trotz des anhaltenden Krieges in seiner Heimat weiterhin in Russland. Seine Zusammenarbeit mit Serebrennikow, mittlerweile geografisch getrennt, lebt in dieser Produktion weiter. Nurejew selbst, 1938 geboren, starb 1993 an den Folgen von Aids – sein Erbe bleibt bis heute in Kunst und Kontroverse lebendig.
Die Berliner Premiere festigt Nurejews Stellung als Meilenstein des zeitgenössischen Balletts. Während das Stück in Russland von den Bühnen verbannt wurde, feiert es international Erfolge – dank seiner künstlerischen Ambition und politischen Brisanz. Die prunkvolle Ausstattung und die mutige Erzählweise sichern ihm eine nachhaltige Wirkung über Grenzen hinweg.






