Opernhäuser verraten die Kunst für Lifestyle – ist das noch Kultur oder nur Marketing?
Niklas MüllerOpernhäuser verraten die Kunst für Lifestyle – ist das noch Kultur oder nur Marketing?
Europas Opernhäuser setzen auf Social Media – doch nicht auf die Kunst
Opernhäuser in ganz Europa verlagern ihren Fokus in den sozialen Medien weg von der Kunstform selbst. Stattdessen bewerben sie Lifestyle-Inhalte, Getränke und Dresscodes, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Dieser Trend reduziert die Oper auf bloße Unterhaltung – statt sie als Raum für Reflexion oder Debatte zu begreifen.
Das Instagram-Konto der Wiener Staatsoper wird von Hemma und Jakob betreut. Sie präsentieren das Haus als Spielwiese oder gastronomischen Betrieb. Ihre Beiträge umfassen Anleitungen fürs Buffet in der Pause oder Knigge-Tipps für Erstbesucher.
In der Festspielhaus Baden-Baden versucht man, klassische Musik mit trendigen Themen zu verbinden. Die Posts werben mit „Klassik und Spritz“ oder „Sundowner mit DJ auf der After-Show-Terrasse“ – ein verzweifelter Versuch, cool zu wirken. Die Berliner Staatsoper nutzt ihre Plattform unterdessen vor allem, um Sponsoren zu hofieren, und erwähnt regelmäßig BMW als wichtigen Partner.
Anders die Bayerische Staatsoper: Sie bleibt der Kunst treu. Auf Instagram gibt es Gespräche mit Dirigenten und Sänger:innen über die Musik selbst. Doch die meisten großen Häuser setzen mittlerweile auf oberflächliche Feelgood-Werbung statt auf künstlerische Tiefe. Die Oper wird als Ort für Drinks und Ablenkung vermarktet – nicht für Auseinandersetzung oder gesellschaftlichen Diskurs.
Diese Entwicklung verwandelt die Oper in eine blasse Kopie ihrer selbst. War sie einst eine provokative Kunstform, dient sie heute oft nur noch als Kulisse für Konsum und Social-Media-Trends. Die Betonung von Lifestyle auf Kosten der Kunst gefährdet ihre kulturelle Bedeutung.
