14 April 2026, 04:05

Neue NDR-Ermittlungen bringen Licht in die Reichelt-Affäre

Cartoon-Illustration einer Gerichtsszene mit einem zentralen stehenden Mann, sitzenden Figuren, einem Tisch mit Gegenständen auf der rechten Seite und der Bildunterschrift "Boney's Trial, Sentence, and Dying Speech Europe's Injuries Revenged" unten.

Neue NDR-Ermittlungen bringen Licht in die Reichelt-Affäre

Neue juristische Schritte könnten bald Klarheit in die seit langem schwelende Julian-Reichelt-Affäre bringen. Der ehemalige Bild-Chefredakteur steht seit geraumer Zeit unter dem Vorwurf von Fehlverhalten am Arbeitsplatz, doch zentrale Details sind weiterhin ungeklärt. Nun soll eine neue Untersuchung des NDR die vollständige Wahrheit ans Licht bringen – dabei werden Zeugenaussagen eine entscheidende Rolle spielen.

Die Kontroverse begann Anfang 2023, als das ARD-Magazin Reschke Fernsehen einen Bericht ausstrahlte, in dem Reichelt vorgeworfen wurde, seine Machtposition bei Bild missbraucht zu haben. Das Programm behauptete, er habe Beziehungen zu Untergebenen unterhalten und Frauen zu sexuellen Kontakten gedrängt. Reichelt wies die Vorwürfe zurück, bezeichnete sie als falsch und stellte sich selbst als Opfer einer ungerechtfertigten Kampagne dar.

Der Beitrag ist jedoch nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Kurz nach der Ausstrahlung erwirkte Reichelt eine einstweilige Verfügung, die die ARD zwang, kritische Passagen des Berichts zu schwärzen. Dieser Schritt ließ viele Fragen offen – etwa, wie viele Arbeitsplatzaffären Reichelt möglicherweise hatte und ob dabei Nötigung im Spiel war.

Der NDR hat den Fall nun zu einem vollumfänglichen Verfahren ausgeweitet und strebt die Wiederherstellung des zensierten Materials an. Im Rahmen des Prozesses will der Sender Zeugen vernehmen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung gedrängt. Allerdings wurde die Glaubwürdigkeit einiger Anklägerinnen infrage gestellt – das Magazin Stern veröffentlichte später eine Untersuchung, die Zweifel an der Schilderung einer anderen Frau aufwarf.

Unterdessen sollen mehrere Frauen, die sich während der internen Ermittlungen des Axel-Springer-Verbands äußerten, berufliche Konsequenzen erlebt haben. Die Untersuchung des Verlags endete ohne ein klares Ergebnis und hinterließ anhaltende Unsicherheit.

Die nächste Phase der rechtlichen Auseinandersetzung könnte nun endlich die offenen Fragen im Fall Reichelt beantworten. Ein Urteil wird jedoch frühestens im Frühjahr 2026 erwartet. Bis dahin bleibt der Streit über sein Verhalten – und die weiteren Folgen für die Verantwortungskultur am Arbeitsplatz – ungelöst.

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