Lale Tollkiens bewegende Geschichte: Vom Trauma zur Selbstermächtigung durch Schreiben
Charlotte JägerLale Tollkiens bewegende Geschichte: Vom Trauma zur Selbstermächtigung durch Schreiben
Lilli Tollkien, genannt Lale, hat ihr traumatisches Kindheitserlebnis in eine Geschichte des Durchhaltevermögens verwandelt – erzählt in ihrem neuen Buch. Am 14. März 2026 erschien "Mit beiden Händen den Himmel stützen", eine schonungslose Schilderung ihres Aufwachsens in einer Berliner Männer-WG der 1980er-Jahre. In ihren Erinnerungen beschreibt sie, wie sie Missbrauch, Vernachlässigung und Sucht überwunden hat, um schließlich im Schreiben Halt zu finden.
Lales Leben begann im Chaos. Mit nur achtzehn Monaten wurde sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie Rohypnol-Tabletten verschluckt hatte, während ihre heroinabhängige Mutter zusah. Ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO-Bewegung, zog später in die Kommune ein, in der sie aufwuchs.
Die Berliner Männer-WG der 1980er war kein Ort für ein Kind. Frauen galten als austauschbare Freundinnen – doch Lale blieb. Als kleines Mädchen erlebte sie sexuellen Missbrauch durch einen der Mitbewohner, während ihr Vater die Gefahren um sie herum nicht erkannte. Von Anfang an war ihr Leben geprägt von Giftstoffen und Instabilität.
Die Schule wurde zu Lales einziger Fluchtmöglichkeit. Dort blühte sie auf – bis die Pubertät ihr Leben in Sucht und zerbrechende Beziehungen stürzte. Jahrzehnte später fand sie durch das Schreiben ihre Stimme. Ihr Debütroman, veröffentlicht im Aufbau Verlag, zeichnet ihren Weg von der Trauma-Bewältigung zur Selbstermächtigung nach.
Die Veröffentlichung des Buches markiert einen Wendepunkt für Lale, die nun als Autorin an die Öffentlichkeit tritt. Ihre Geschichte legt schonungslos die harten Realitäten ihrer Kindheit offen und zeigt zugleich, wie das Erzählen zu ihrem Weg der Heilung wurde. Die Erinnerungen sind zugleich eine persönliche Abrechnung und ein Zeugnis des Überlebens.






