Kulturminister Weimers Jugendgedichte werden zur politischen Zündschnur
Niklas MüllerKulturminister Weimers Jugendgedichte werden zur politischen Zündschnur
Kulturminister Wolfram Weimers Vergangenheit holt ihn auf ungewöhnliche Weise ein. Die Aktivistin Martha Root hat eine Jahrzehnte alte Gedichtsammlung des Ministers mit dem Titel „Kopfpilz“ der Deutschen Nationalbibliothek geschenkt – eine Aktion, die auf ihre öffentliche Kritik an Weimers Politik und seiner Weigerung folgt, sich mit seinem frühen Werk auseinanderzusetzen.
1986 veröffentlichte der damals 22-jährige Weimer „Kopfpilz“ im Selbstverlag. Das Buch enthält derbe Texte, darunter Gedichte mit Titeln wie „Vorfreude“ und „Unglück“. Jahrzehnte später ist die Sammlung zum Streitpunkt für seine Rolle als Kulturminister geworden.
Im November 2022 machte der Komiker Jan Böhmermann in der Sendung „ZDF Magazin Royal“ auf das Werk aufmerksam. Root handelte daraufhin: Sie übergab ein Exemplar an die Nationalbibliothek, stellte eine digitalisierte Version auf Archive.org kostenlos zur Verfügung und kündigte an, ein physisches Exemplar zu versteigern – der Erlös soll „Lesen Hilft“, einer Initiative zur Unterstützung linker Buchhandlungen, zugutekommen.
Mit der Schenkung verband Root eine öffentliche Kritik. In einem Video warf sie Weimer vor, linke Buchhandlungen auszuschließen und mögliche Interessenkonflikte nicht offen zu legen. Zudem prangerte sie an, dass er sich weigere, seine früheren Texte aufzuarbeiten – für einen Kulturminister sei dies inakzeptabel. Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Weimers Ministerium die Unterbrechung des Bibliotheksausbaus zuvor als bloßes „Moratorium“ bezeichnet hatte.
Bereits im Dezember 2022 hatte Root auf dem Chaos Communication Congress Aufmerksamkeit erregt, als sie die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ infiltrierte.
Durch die Übergabe von „Kopfpilz“ an die Nationalbibliothek ist Weimers frühes Werk nun offiziell dokumentiert. Roots Aktion stellt sicher, dass die Sammlung zugänglich bleibt, während die Versteigerung unabhängige Buchhandlungen fördert. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie gehen öffentliche Persönlichkeiten mit ihrem künstlerischen Erbe um – und welche Verantwortung tragen sie dafür?






