Jobcenter versagen bei Langzeitarbeitslosen – Studie zeigt Reformbedarf auf
Niklas MüllerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Jobcenter versagen bei Langzeitarbeitslosen – Studie zeigt Reformbedarf auf
Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung deckt gravierende Mängel in deutschen Jobcentern auf. Fast die Hälfte der Langzeitarbeitslosen gibt an, dass die Besuche dort ihre Jobchancen kaum verbessern. Die Forschung liefert zudem konkrete Vorschläge, wie die Unterstützung wirksamer gestaltet werden kann.
Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter über 1.000 arbeitslosen Personen zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld erhalten.
Die Befragung wurde zwischen dem 15. April und 18. Juni 2025 durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass 46 Prozent der Bürgergeld-Empfänger mit mehreren Hürden auf dem Weg in den Arbeitsmarkt kämpfen – darunter gesundheitliche Probleme oder fehlende Qualifikationen. Trotz dieser Herausforderungen schnitten die Mitarbeiter der Jobcenter in Sachen Kompetenz und Leistung gut ab.
Die Bertelsmann Stiftung plädiert für einen Strategiewechsel: Bei Arbeitslosen ohne größere Hindernisse sollten die Jobcenter stärker auf eigenständige Stellensuche setzen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Betreuung verringert. Die Studie schlägt zudem weitere Maßnahmen vor, etwa Qualifizierungsangebote, Coachings oder direkte Jobvermittlungen. Ein weiterer Vorschlag ist der Einsatz von Langzeitarbeitslosen in gemeinnützigen Tätigkeiten, die realen Arbeitsverhältnissen entsprechen, um auch niedrig entlohnte Stellen attraktiver zu machen.
Diese Empfehlungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Bundestag das Bürgergeld durch ein strengeres Sozialsystem ersetzen will. Die neuen Regelungen treten am 1. Juli 2026 in Kraft.
Die Studie fordert praktische Reformen, um die Effektivität der Jobcenter zu steigern. Durch Qualifizierungen, Coachings und gemeinwohlorientierte Arbeit könnten Langzeitarbeitslose leichter in stabile Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden. Angesichts der bevorstehenden Sozialreformen könnten die Erkenntnisse die Ausgestaltung künftiger Unterstützungsangebote prägen.






