Hannovers Finanzskandal: Wie eine SPD-Politikerin 740.000 Euro veruntreute
Niklas MüllerHannovers Finanzskandal: Wie eine SPD-Politikerin 740.000 Euro veruntreute
In Hannover ist ein Finanzskandal um Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, aufgedeckt worden. Ihr wird vorgeworfen, über einen von ihr gegründeten Verein öffentliche Gelder veruntreut zu haben. Der Fall sorgt wegen seines Ausmaßes und der Verwicklung bekannter Persönlichkeiten für Aufsehen.
2018 hatte Iri den Verein Integrationsarbeit Kronsberg ins Leben gerufen. Bis 2023 sicherte er sich für das Projekt „Respekt Café Kronsberg – Hannover“ Fördermittel in Höhe von 924.479 Euro vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Doch bereits bis Juni 2023 waren davon fast 740.000 Euro ausgezahlt worden – ohne dass nachweislich Projekte umgesetzt wurden.
Iri und ihre Tochter Esma Bozdemir sollen sich aus den Vereinsgeldern mindestens 685.000 Euro als Gehälter ausgezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob mit öffentlichen Mitteln sogar Immobilien erworben wurden. Das Amtsgericht Hannover hat inzwischen ein Insolvenzverfahren gegen den Verein eingeleitet.
Die SPD distanziert sich von dem Skandal und weist jede Parteiverantwortung von sich. Iri und Bozdemir legten ihre Stadtratsmandate nieder und setzten ihre SPD-Mitgliedschaften ruhen. Adis Ahmetović, Bundestagsabgeordneter und SPD-Landesvize in Niedersachsen, war bereits im Dezember 2022 über die Vorwürfe informiert worden, unternahm jedoch nichts. Doris Schröder-Köpf, die ehemalige Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, hatte Iri zuvor mit Empfehlungsschreiben unterstützt.
Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Veruntreuung laufen weiter. Das Insolvenzverfahren stellt eine formale Reaktion auf die finanziellen Unregelmäßigkeiten des Vereins dar. Sowohl Iri als auch Bozdemir haben sich angesichts der laufenden Untersuchungen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
