Glasfaserausbau in Deutschland: Offene Netze statt Regulierung als Lösung?
Nico KellerGlasfaserausbau in Deutschland: Offene Netze statt Regulierung als Lösung?
Deutschlands Glasfasermarkt wächst rasant – mit fast 300 Anbietern, die derzeit Hochgeschwindigkeitsnetze ausbauen. Doch Branchenführer diskutieren, ob die Regulierung mit der Entwicklung Schritt halten kann – oder ob sich der Sektor durch Wettbewerb und offene Netzzugangsvereinbarungen selbst reguliert.
Mehrere große Akteure setzen bereits auf offenen Netzzugang, um die Effizienz zu steigern. So hat Deutsche GigaNetz kürzlich Verträge mit dem schwedischen Internetdienstanbieter Bahnhof und Westconnect unterzeichnet, die es mehreren Anbietern ermöglichen, seine Infrastruktur zu nutzen. Gleichzeitig kündigte Plusnet an, seine Dienste über die Netze von OXG unter ähnlichen Bedingungen zu vermarkten.
Die Nachfrage der Kunden treibt diesen Wandel maßgeblich voran. Laut Frank Rosenberger von 1&1 Versatel wünschen sich 83 Prozent ihrer Kunden die Freiheit, zwischen verschiedenen Internetanbietern wählen zu können. Dieser Wunsch nach Flexibilität hat Unternehmen wie die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge dazu veranlasst, ihren Glasfaserausbau bis 2030/2031 für Drittanbieter zu öffnen.
Experten sind sich jedoch uneinig über die Notwendigkeit von Regulierung.Steven Blount von EWE Tel betont, dass offener Netzzugang entscheidend sei, um die bestehende Netzkapazität voll auszuschöpfen. Marc Kahabka von VSE Net warnt hingegen, dass die Nachrüstung älterer Netze mit neuen Standards erhebliche Herausforderungen mit sich bringe. Andere, wie Kai Pigorsch von Glasfaser Nordwest und Jürgen Rohr von Plusnet, sind überzeugt, dass sich der Markt schneller entwickelt, als Regulierungsbehörden handeln können.
Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, hat die Branche S/PRI eingeführt – eine standardisierte Schnittstelle, die die Interoperabilität zwischen Glasfasernetzen vereinfachen soll. Dieses Vorgehen zielt darauf ab, technische Hürden abzubauen und mehr Anbieter dazu zu bewegen, Infrastruktur gemeinsam zu nutzen.
Mit fast 300 Wettbewerbern und einer wachsenden Kundennachfrage nach Wahlfreiheit bewegt sich der deutsche Glasfasermarkt in Richtung größerer Offenheit. Die Einführung standardisierter Schnittstellen und freiwilliger Netzzugangsvereinbarungen deutet darauf hin, dass die Branche eigene Lösungen findet – auch wenn die Debatte über Regulierung weitergeht.






