Europas Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen durch CO₂-Kosten und Infrastrukturmängel
Charlotte JägerEuropas Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen durch CO₂-Kosten und Infrastrukturmängel
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Brief an die EU-Spitze dringende Reformen des Emissionshandels gefordert. Die Konzerne warnen, dass steigende CO₂-Kosten und Infrastrukturdefizite die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährden. Zu den Unterzeichnern zählen ArcelorMittal, BP, BASF und ThyssenKrupp.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen erwerben. Der Großteil dieser Emissionsrechte wird inzwischen an der Börse gehandelt, was die Kosten in die Höhe treibt, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer reduzieren, als das Angebot an Zertifikaten schrumpft. Zudem beginnt das EU-Klimapaket „Fit für 55“ mit dem schrittweisen Abbau kostenloser Zuteilungen – eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Betriebe.
In dem Schreiben an den EU-Ratspräsidenten António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides heißt es, Europa handle mit diesen Auflagen allein und die aktuellen Regelungen spiegelten die globale Realität nicht mehr wider. Zudem sei die Infrastruktur für Strom, Wasserstoff sowie CO₂-Transport und -Speicherung unzureichend, um die industrielle Transformation zu stemmen.
Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein. Dieser klimabedingte Zoll trifft auf kohlenstoffintensive Importe zu, sieht aber Ausnahmen für Länder mit eigenem Emissionshandel vor.
Die Unternehmen fordern nun sofortiges Handeln, um den weiteren Kostenanstieg zu stoppen und die Schädigung der europäischen Industriebasis zu verhindern. Ohne Kurskorrektur drohe das aktuelle System die wirtschaftliche Stabilität des Kontinents zu untergraben, warnen sie. Gleichzeitig betonen sie den dringenden Bedarf an besserer Infrastruktur, um den industriellen Wandel zu ermöglichen.






