02 April 2026, 14:04

EMAF-Festival in Osnabrück löst Streit um palästinensische Künstlerin aus

Plakat für ein Festival in München mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und B├Ąumen mit Text.

EMAF-Festival in Osnabrück löst Streit um palästinensische Künstlerin aus

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Alia Al-Sharif eine Debatte ausgelöst. Ihr Werk "Morning Circle" wird im Rahmen des diesjährigen Programms gezeigt. Die Entscheidung stößt bei lokalen Politikern und Behörden auf Kritik, die ihr vorwerfen, Verbindungen zu antisemitischen Positionen und der BDS-Bewegung zu haben.

Der Vorstand des Festivals hält jedoch an der Unterstützung für Al-Sharif fest und argumentiert, dass ihre künstlerischen Beiträge unabhängig von ihren politischen Ansichten bewertet werden sollten.

Die Teilnahme Al-Sharifs am EMAF ist zum Kristallisationspunkt der Kontroverse geworden. Kritiker wie der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann äußern Bedenken hinsichtlich ihrer Aktivitäten in sozialen Medien. Ein Beitrag, der ein Halloween-Kostüm mit einem roten Dreieck zeigt, wird von manchen als mehrdeutig oder provokativ interpretiert. Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, ihr Werk aufgrund der Sorge vor Antisemitismus nicht im Festival zu zeigen.

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Die künstlerische Leiterin des Festivals hingegen sieht in diesen Posts eher Nuancen als explizit beleidigende Inhalte. Der Vorstand verteidigt die Auswahl und betont, dass Al-Sharifs Filme bereits seit Jahren Teil des EMAF sind. Das Motto der diesjährigen Ausgabe, "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung), thematisiert das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung – ein Thema, das angesichts der aktuellen Diskussionen besonders relevant erscheint.

Lokale und regionale Politiker distanzieren sich von der Entscheidung. Thomas Groß, der Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentiert, dass das Zum-Schweigen-Bringen palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage. Dagegen haben sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und die Stadtverwaltung klar von der Haltung des Festivals distanziert.

Die BDS-Bewegung, 2005 gegründet, bleibt ein polarisierendes Thema. Während sie in progressiven und akademischen Kreisen Unterstützung findet, stufen Kritiker – darunter auch einige Regierungen – sie als antisemitisch ein. Österreich etwa verbot 2023 BDS-Symbole auf Fahrzeugen. Das EMAF hat jedoch eine Tradition darin, vielfältige Perspektiven einzubeziehen, darunter auch jüdische und israelische Künstler neben palästinensischen Beitragenden.

Die Vorführung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden, und das Festival steht zu seiner künstlerischen Entscheidung. Der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischen Sensibilitäten. Vorerst bleibt die Debatte ungelöst – sowohl Befürworter als auch Kritiker warten nun auf die Reaktion der Öffentlichkeit.

Quelle