Digitale sexualisierte Gewalt: Fast die Hälfte der Jugendlichen ist betroffen
Lina HuberDigitale sexualisierte Gewalt: Fast die Hälfte der Jugendlichen ist betroffen
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte der Jugendlichen
Fast jeder zweite junge Mensch ist laut einer aktuellen Studie von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen. Das Problem hat bundesweit zu weitreichenden Maßnahmen geführt – Schulen in ganz Deutschland führen mittlerweile Präventionsprogramme ein. Expert:innen betonen, dass frühzeitige Aufklärung deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen von Missbrauch im Netz.
Eine Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie, durchgeführt vom Bundeszentralamt für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), offenbart alarmierende Zahlen: Fast die Hälfte der Jugendlichen gab an, bereits digitale sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Dazu zählen etwa Cybergrooming, bei dem Täter:innen Kinder und Jugendliche über Chats manipulieren – oft mit Schmeicheleien, die später in Belästigung oder Ausbeutung umschlagen.
Viele Vorfälle geschehen auch im eigenen Umfeld, etwa in Freundes- oder Klassengruppenchats. Jugendliche überschreiten dabei oft aus Naivität oder dem Wunsch nach Zugehörigkeit Grenzen. Lehrkräfte erkennen die Schwere des Problems, fühlen sich aber häufig überfordert, angemessen darauf zu reagieren.
Yasmina Ramdani, Expertin auf diesem Gebiet, leitete ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen zur Bekämpfung des Problems. In Workshops erreichte sie rund 5.000 Schüler:innen und vermittelte ihnen Wissen über ihre Rechte, den Umgang mit Gefühlen und die Bedeutung von Prävention. Seit dem Projektende 2023 haben bundesweit etwa 1.200 Schulen ähnliche Programme eingeführt. Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern im Netz maßgeblich davon abhängt, wie gut ihr Umfeld sie vorbereitet und begleitet.
Auch Eltern kommen eine Schlüsselrolle zu: Indem sie ihr eigenes Verhalten reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen sprechen, können sie Risiken verringern.
Der Bedarf an Präventionsworkshops ist seit dem Erfolg des Pilotprojekts stark gestiegen. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der Jugendlichen von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen ist, unternehmen Schulen und Familien nun konkrete Schritte. Investitionen in frühzeitige Aufklärung gelten als der effektivste Weg, um langfristige Kosten zu senken und junge Menschen vor Schaden zu bewahren.






