Berlin führt Ausbildungsabgabe ein – Unternehmen zahlen oder bilden aus
Niklas MüllerBerlin führt Ausbildungsabgabe ein – Unternehmen zahlen oder bilden aus
Berlins Abgeordnetenhaus beschließt neue Ausbildungsabgabe – Unternehmen mit zu wenigen Azubis müssen zahlen
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat eine neue Ausbildungsabgabe verabschiedet, die Unternehmen bestraft, die ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft ausbilden – andernfalls drohen finanzielle Konsequenzen. Die Maßnahme soll jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen, stößt jedoch bei betroffenen Unternehmen auf scharfe Kritik.
Die Abgabe betrifft etwa ein Viertel der Berliner Unternehmen und zielt insbesondere auf solche ab, deren Ausbildungsquote unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Firmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten können oder wollen, müssen stattdessen in einen zentralen Fonds einzahlen. Kritiker monieren, die Politik gehe am eigentlichen Problem vorbei: das sinkende Interesse junger Menschen an der klassischen dualen Berufsausbildung.
Agnieszka Walorska vom Unternehmen Mika sieht die Ursache nicht bei den Betrieben, sondern im nachlassenden Engagement der Jugend für die berufliche Ausbildung. Start-ups wie Peec AI und Lap Coffee beklagen, die Abgabe belaste sie unnötig. Marius Meiners von Peec AI hält Ausbildungsplätze in seinem spezialisierten Team für "nicht umsetzbar", während Ralph Hage von Lap Coffee die Politik als "noch ein weiteres falsches Signal" aus Berlin abtut.
Auch Urban Sports Club, das aufgrund seines Geschäftsmodells keine Ausbildungsplätze anbietet, wird zur Kasse gebeten. Gründer Moritz Kreppel wirft der Stadt vor, sie "bestrafe, was sie nicht versteht". Peec AI, zwar bereit, die Strafe zu zahlen, warnt, die Abgabe mache Deutschland als Standort weniger attraktiv.
Die Ausbildungsabgabe tritt 2028 in Kraft und zwingt betroffene Unternehmen, entweder mehr auszubilden oder in den Fonds einzuzahlen. Zwar soll die Regelung die Berufsausbildung stärken, doch die Wirtschaft sieht darin eine Vernachlässigung tieferliegender struktureller Herausforderungen. Die finanzielle Last trifft nun vor allem Betriebe, die bereits mit Fachkräftemangel und Marktrealitäten kämpfen.






