AfD zerrissen: Machtkampf um USA-Politik spaltet die Partei tief
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik spaltet die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen die Beziehungen zu den USA: Während eine Fraktion engere Bindungen fordert, verlangt eine andere den Abzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland. Die Auseinandersetzung hat tiefe Gräben offenbart und die Sorge vor einer möglichen Spaltung der Partei geschürt.
Auf einem jüngsten Parteitag in Sachsen forderte Co-Parteivorsitzender Tino Chrupalla den vollständigen Abzug aller US-Streitkräfte für den Fall, dass die AfD an die Macht kommt. Sein Vorstoß erntete zwar Beifall bei einigen Mitgliedern, löste bei anderen – darunter führende Funktionäre – jedoch Empörung aus. Diese warnen, die Forderung könnte die Partei noch weiter isolieren.
Der interne Machtkampf der AfD um die Haltung zu den USA hat in den vergangenen Wochen an Schärfe gewonnen. Chrupallas Forderung nach einem Truppenzug entspricht zwar dem offiziellen Parteiprogramm, das auch ein Ende der NATO-Nuklearteilung anstrebt. Doch seine Position stößt auf heftige Kritik aus den pro-westlichen Reihen der Partei.
Der AfD-Verteidigungsexperte Hannes Gnauck sah sich mit der Blockade einer von ihm verfassten Pressemitteilung konfrontiert, in der er die USA im Iran-Konflikt unterstützte – gestoppt von Chrupalla und der Co-Vorsitzenden Alice Weidel. Gleichzeitig widersprach der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah öffentlich Chrupallas Forderung und argumentierte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Auch Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der Partei, gerät unter Druck durch den prorussischen Flügel um Björn Höcke, der ihn angeblich wegen seiner Unterstützung für westliche Bündnisse loswerden wollte.
Die Spaltungen beschränken sich nicht auf die Außenpolitik. Martin Sellners umstrittene "Remigrations"-Pläne – vom Bundesverwaltungsgericht als verfassungswidrig verurteilt – belasten die Partei zusätzlich. Die AfD-Führung hat es versäumt, sich glaubwürdig von Sellners Vorhaben zu distanzieren, das Kritiker als Angriff auf die Menschenwürde brandmarken. Krah warnt, solche extremen Positionen hätten die politische Isolation der AfD noch verstärkt, da andere Parteien weiterhin eine strikte Abgrenzungspolitik gegen eine Zusammenarbeit betreiben.
Lucassen, ein entschiedener Russlandkritiker, ist zum Ziel der moskautreuen Fraktion innerhalb der Partei geworden. Seine Warnungen vor Russland als größter Bedrohung für die NATO kollidieren mit der traditionell prorussischen Ausrichtung der AfD, die im aktuellen Streit wieder auflebt. Bereits bei der Parteigründung 2013 gab es erste Konflikte um die NATO – doch die jüngste Eskalation, ausgelöst durch die Iran-Krise 2026, hat die Spannungen auf die Spitze getrieben.
Nun steht die AfD vor einer entscheidenden Nagelprobe. Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen hat den Graben zwischen den westlich orientierten und den prorussischen Kräften weiter vertieft. Angesichts offener Widersprüche zwischen führenden Mitgliedern und gerichtlicher Ablehnung zentraler Positionen bleibt die künftige Ausrichtung der Partei ungewiss. Der Ausgang des Konflikts wird zeigen, ob sich die AfD konsolidieren kann – oder an den inneren Widersprüchen zerbricht.






