AfD-naher Verein zieht erstmals in VW-Betriebsrat ein – ein politischer Dammbruch?
Charlotte JägerArbeitskreis betritt erstmals einen VW-Betriebsrat - AfD-naher Verein zieht erstmals in VW-Betriebsrat ein – ein politischer Dammbruch?
Zum ersten Mal hat sich eine neue politische Gruppierung im Betriebsrat von Volkswagen etabliert: Der Verein Zentrum Automobil e.V., der als nahestehend zur rechtspopulistischen AfD gilt, errang bei der Wahl im Werk Braunschweig zwei Sitze. Damit gelang es der Organisation erstmals, mit einer eigenen Liste anzutreten – und direkt in den Betriebsrat einzuziehen.
Bei der Wahl im Volkswagen-Werk Braunschweig dominierte die IG Metall mit 78,5 Prozent der Stimmen und sicherte sich 28 der 35 Sitze. Die Christliche Metallarbeiter-Gewerkschaft erhielt mit 15 Prozent der Stimmen die verbleibenden fünf Mandate.
Zentrum Automobil trat unabhängig an und erreichte 6,49 Prozent der Stimmen. Beide Kandidaten der Gruppierung zogen in den Betriebsrat ein, was ihr zwei Sitze einbringt. Dies passt in ein größeres Muster: Die Organisation hatte zuvor in verschiedenen deutschen Automobilkonzernen wie Mercedes, BMW und Porsche rund 20 Sitze errungen, doch ihr Einfluss ist seitdem gesunken. Nach Verlusten von etwa fünf Sitzen bei den Wahlen 2022 ist Zentrum Automobil heute vor allem noch in Mercedes-Standorten wie Untertürkheim vertreten.
Der Erfolg in Braunschweig markiert eine Wende, da die Gruppierung in der Region bisher weder bei Volkswagen kandidiert hatte noch Sitze erringen konnte.
Die Wahl bestätigt die wachsende, aber weiterhin begrenzte Rolle von Zentrum Automobil in der Arbeitnehmervertretung der deutschen Automobilindustrie. Mit zwei Sitzen im Braunschweig Betriebsrat hat die Gruppierung nun Mitspracherecht bei Entscheidungen vor Ort. Die IG Metall behält weiterhin die überwältigende Mehrheit, während die Christliche Metallarbeiter-Gewerkschaft einen kleineren, aber stabilen Anteil hält.